Reisen Sie etwa noch mit alten Stadtplänen? — Roland Kopp-Wichmann über „Psychofallen im Beruf“ …
von Liesel Pusacker
… und dazu, wie man sie erkennt und geschickt umgeht.
Wer hat das nicht schon einmal erlebt? Ein cholerischer Chef, der seine Mitarbeiter zusammenstaucht und Kollegen, die hinterrücks Intrigen spinnen, um sich Vorteile zu verschaffen. Warum wir im Berufsalltag vielerlei Ränkespielen und Machtdemonstrationen ausgesetzt sind und wie wir damit am besten umgehen, erklärt Roland Kopp-Wichmann in seinem Buch „Ich kann auch anders“.
Mit seinem Buch will Kopp-Wichmann dazu beitragen, dass Menschen ihre Verhaltensweisen im Berufsalltag überprüfen und gegebenenfalls neu justieren. Seine Ausgangsthese lautet: Auch Erwachsene verhalten sich untereinander häufig eben nicht immer erwachsen und reif; jeder reinszeniert unbewusst die Konflikte seiner Biografie im Berufsleben. Oder anders ausgedrückt: Jeder bringt seine Kinderstube mit ins Büro.
Das Übertragen von Konflikten aus der eigenen Familiengeschichte ist gar nicht so abwegig, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheint. Beide Bereiche weisen nach Kopp-Wichmann wichtige Gemeinsamkeiten aus: Man sucht sich die Personen nicht aus; es geht um das tägliche Miteinander-Auskommen, man kann nicht einfach gehen. Es bestehen Abhängigkeitsverhältnisse.
Beruf und Familie sind beides Orte mit starken positiven wie negativen Gefühlen. Gerade aber, wenn Gefühle im Spiel sind, wird es für viele besonders schwierig, ruhig und überlegt zu agieren. Unser innerer Autopilot spult dann häufig das altbekannte „Familienprogramm“ ab, eine Art persönliche, erlernte Überlebensstrategie. Deren Muster war vielleicht früher einmal sinnvoll, muss aber heute nicht mehr stimmen. „Kein Mensch“, so Kopp-Wichmann, „reist ja auch heute mit einem Uralt-Stadtplan in eine fremde Stadt.“
Kopp-Wichmann geht es darum, Probleme an der Wurzel zu packen und neue Verhaltensweisen zu trainieren. Anhand der „10 häufigsten Psychofallen“ betreibt er Ursachenforschung und gibt konkrete Hilfestellung.
Ein Beispiel: Wenn jemand sagt: „Ich habe Angst vor Konflikten“, meint er häufig auch, daran nichts ändern zu können. In der Regel wählt er Vermeidungsstrategien. Diese führen allerdings dazu, dass er allzu häufig das Nachsehen hat und auf Dauer unzufrieden wird. Eine gewisse Scheu vor Konflikten habe fast jeder, so Kopp-Wichmann, aber der Grundstein dazu, ob wir einen Konflikt als Bedrohung empfinden, wird bereits in frühester Kindheit gelegt.
Mit systematischen Übungen und hilfreichen Regeln könne aber jeder bis zu einem gewissen Grad lernen, sich künftig besser bei Auseinandersetzungen zu behaupten und sich damit im Team besser einzubringen. Um beim konkreten Beispiel zu bleiben, empfiehlt Kopp-Wichmann, sich immer wieder hilfreiche Sätze zu Gemüte zu führen, etwa „Ich nehme mich und meine Interessen ernst.“ „Ich muss nicht immer von allen gemocht werden.“ „Eine Beziehung muss unterschiedliche Positionen aushalten und wird daran nicht zerbrechen.“ Auch jede praktische Erfahrung mit Diskussionen und Konflikten sind von unschätzbarem Wert. Durch das regelrechte Einüben von neuen Verhaltensweisen in Streitgesprächen, kann man erlernen, dass inhaltliche Auseinandersetzungen fruchtbar sein können und eben nicht das Ende einer (Berufs-)beziehung sein müssen.
Zu den zehn häufigsten Psychofallen geht’s hier
Roland Kopp-Wichmann: Ich kann auch anders
Psychofallen im Beruf erkennen
ISBN 978-3-7831-3412-4
Kreuz Verlag in der Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2010
14,95 Euro











