Der Gedanke lenkt den Körper – Interview mit Stefan Spies
von Liesel Pusacker
Stefan Spies, Regisseur, Autor und einer der bekanntesten Körpersprache-Coachs und -Trainer Deutschlands gilt als Top-Act jeder Veranstaltung. Er begeistert sein Publikum regelmäßig. Sein Thema: “Körpersprache – Erfolgsstrategien eines Regisseurs”. Uns verrät er im Interview, weshalb Körpersprache eigentlich so unglaublich wichtig ist – in jeder Situation.
1) Herr Spies, in Ihrem neuen Buch beschreiben Sie, was einen guten Auftritt ausmacht, wie Menschen auch im Berufsalltag am besten “rüberkommen”. Vorweg: Ist Körpersprache erlernbar?
Ja, Körpersprache ist erlernbar und das eigene Auftreten ist gestaltbar. Unsere Körpersprache entsteht aus unserer inneren Haltung. Indem wir diese bewusst ändern, können wir auch unser Auftreten und damit die Wirkung auf andere verändern.
2) Da bin ich aber beruhigt. Auf den Punkt gebracht: Was sind die wichtigsten drei Körpersprache-Elemente, eben die mit Erfolgsgarantie?
Präsenz, Leichtigkeit und innere Haltung. Aber eins nach dem anderen.
Zur Präsenz: Es ist sehr wichtig, in einem beruflichen Kontakt wirklich präsent zu sein und sich voll auf den Moment und den Gesprächspartner zu konzentrieren. Mental kann ich Inhalte, die mich ablenken, beiseite schieben indem sich sie auf später vertage. Körperliche Präsenz erreiche ich, indem ich mich ruhig und offen dem Gesprächspartner zuwende. Es gibt einfache Hilfestellungen, das zu erreichen.
Zudem ist ein weiterer Aspekt wesentlich: Leichtigkeit. Wenn ich etwas wirklich beherrsche, drückt mein Körper das durch eine gewisse Leichtigkeit aus. Wir kennen das ja alle: Werden komplexe Sachverhalte als schwierig rübergebracht, wirkt der Überbringer selbst angestrengt und gestresst. Trete ich hingegen mit einer (möglicherweise gespielten) Leichtigkeit auf, wirke ich souveräner als ich mich fühle.
Der dritte Aspekt betrifft unseren Umgang miteinander. Hier befindet sich jeder Mensch in einem Statusgefüge, nach dem er sich auch verhält. Ich erläutere das am Beispiel eines Vorstellungsgespräches: Ob ich ein Jobangebot brauche oder es nur prüfe. Das macht einen großen Unterschied aus, denn ich komme im gleichen Gespräch ganz unterschiedlich rüber – je nach innerer Haltung, die sich auch im Status ausdrückt. Da ich meine innere Haltung beeinflussen kann, habe ich auch die Möglichkeit, im Bewerbungsgespräch anders wahrgenommen zu werden. Aus einem so genannten Tiefstatus wird dann ein Hochstatus.
3) Das werde ich gerne beim nächsten Mal beherzigen. Aber wir sind weiter neugierig. Gibt es eigentlich eine Körpersprache für alle, oder sollte von dem, was für den einen gut ist, der andere die Finger lassen?
Genauso ist es. Köpersprache ist natürlich individuell. Klar kann ich durch bestimmte Lerneffekte hilfreiche grundlegende Werkzeuge wie Präsenz und innere Haltung etc. erwerben, aber Abschauen alleine funktioniert nicht. Wenn ich das eigene Auftreten nachhaltig verbessern will, muss ich wissen: Was bin ich für ein Typ? Wie passen Auftreten und Typ zusammen? Auch Alter und Geschlecht spielen eine Rolle.
4) Auch Geschlecht? Gibt es geschlechtspezifische Unterschiede bei der Körpersprache?
Ja, ganz sicherlich gibt es diese, auch wenn man das nicht verallgemeinern darf.
Häufig beobachte ich Folgendes: Frauen tendieren eher – zu ihrem eignen Nachteil – dazu, anderen Raum zu geben und sich selbst zurückzuhalten. Männer hingegen nehmen sich häufig Raum. Im Berufsleben haben diese Verhalten eindeutige Folgen. Je nach Milieu, ob Ellbogenmentalität oder Sorgfalt gefragt sind, punkten die einen oder die anderen.
5) Herr Spies, Sie sind kein Kommunikationswissenschaftler, sondern Praktiker aus dem Kulturbereich, was bringen Sie aus diesem Bereich mit und was ist für Ihre heutige Arbeit hilfreich?
Ich komme vom Theater und war Regieassistent u. a. bei Peter Zadek. Danach habe ich rund ein Jahrzehnt Opernstudenten – die zwar hinreißend singen können, aber nicht in gleichem Maße schauspielerisch begabt sind – beigebracht, wie sie auf der Bühne gut und glaubwürdig rüberkommen. Heute verarbeite ich all diese Erfahrungen ausschließlich fürs Business. Die Schauspiellehre hat ihre Techniken der Realität abgeschaut. Nun schlage ich die Brücke wieder zurück und gebe Menschen für ihre berufliche Realität die Möglichkeit, diese Techniken anzuwenden.
6) Als renommierter Körpersprache-Coach werden Sie häufig zu Veranstaltungen eingeladen. Was dürfen die Gäste dort von Ihnen erwarten?
Unterhaltsames Infotainment und eine Schärfung der Wahrnehmung. Ich bin mir sicher: Nach dem Vortrag werden die Teilnehmer anders auf sich und ihre Mitmenschen blicken als vor dem Vortrag.
Das hört sich wirklich spannend an. Herr Spies, vielen Dank für das Interview. Mit Stefan Spies sprach Liesel Pusacker.











