Gastbeitrag von Gunnar Sohn: Medien verzerren das Bild der Marktwirtschaft
von Liesel Pusacker
acatech_100301_webFernsehen und Presse informieren einer Studie des Media Tenors zufolge einseitig. Die Schuld liegt aber auch bei den Firmen selbst.
Mittlerweile sind knapp zwei Drittel der Deutschen nicht mehr von der Sozialen Marktwirtschaft überzeugt. Gleichzeitig sagen aber trotz Krise weiterhin nur 15 Prozent der Bevölkerung, dass es ihnen persönlich wirtschaftlich schlecht geht. Dieser eklatante Widerspruch liegt zum Teil an der negativ überzeichneten Berichterstattung der deutschen Massenmedien über die Welt der Wirtschaft. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der Agentur Media Tenor auf der Basis von knapp 13 000 Wirtschaftsnachrichten aus dem vergangenen Jahr. Der vorherrschende Moll-Ton liege vor allem daran, dass etwa allein mehr als 4000 Berichte über den angeschlagenen Autobauer Opel erschienen seien, jedoch kaum Nachrichten über die vielen Hidden Champions, die dafür gesorgt haben, dass die Zahl der Arbeitsplätze trotz Jahrhundert-Krise nur minimal gesunken ist, sagte der Media-Tenor-Chef und Autor der Studie, Roland Schatz. Der Mittelstand biete zwar rund 80 Prozent der Jobs, sei aber nur in 16 Prozent der Medienberichte das Thema. „Wenn ein Unternehmen wie die Otto Group 2010 5000 weitere Arbeitsplätze schafft, oder Firmen wie Fressnapf aus eigener Kraft zusätzlichen 1000 Mitarbeitern eine krisenfeste Tätigkeit finanzieren, dann ist dies für die Abonnenten des Handelsblatts sichtbar, aber Mandy aus Wismar oder Schorsch aus Memmingen erfährt dies bei RTL Aktuell oder aus dem Heute-Journal nicht“, sagt Schatz. Das ist ein generelles Problem für Firmen, die nicht zu den DAX-30-Konzernen zählen. Sie werden in der Regel von den Wirtschaftsredaktionen kaum beachtet. Nach der Media Tenor-Studie sollten mittelständische Firmen beim Agenda Setting stärker auf Forschung, Entwicklung und Investitionen setzen. Allerdings sollten keine werblichen Produkt-Informationen vermittelt werden. Der Nachrichtenwert kommt nur über Daniel Düsentrieb-Themen.
Ohne aktive Information können Unternehmen nicht erwarten, dass die Welt erfährt, was den Champion zum Champion macht. Doch selbst wenn sich Journalisten nach Innovationen erkundigten, „hören sie allzu oft das üblich ,no comment’ oder werden mit wenig News-Gehalt abgespeist“, kritisiert Schatz.
Anbei die Studie, die mir freundlicherweise der Media Tenor-Chef zur Verfügung gestellt hat.
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