Praktikers Werbung mutiert zum Rohrkrepierer

von Winfried Braun

praktikerSlogan wegen Brandschaden bei Hellweg ruft Werberat auf den Plan

Praktiker-Werbung beschäftigt Werberat (Foto: praktiker.de)

Kirkel/Achim (pte) – Die deutsche Baumarktkette Praktiker http://praktiker.de hat sich wegen ihrer schadenfrohen Werbeplakat-Aktion vom September 2009 über den Großbrand beim Konkurrenten Hellweg nun vor dem Deutschen Werberat verantworten müssen. Obwohl der Konzern die Werbung mit dem eindeutig zweideutigen Slogan “Wir haben noch zwei Eisen im Feuer” schon wieder entfernt hat, spricht man dezidiert nicht von einer Entschuldigung. Vielmehr sei dies lediglich eine “Klarstellung, um Missverständnisse auszuräumen”, ließ Praktiker verkünden.

Geistige Tiefe fehlt

“Werbung ist zwar immer dann effektiv, wenn durch sie der Bekanntheitsgrad für Produkte oder Unternehmen gesteigert wird. Wer aber Unglücksfälle wie Brandschäden zum Anlass nimmt, eine Kampagne zu starten, kann vom Publikum schnell als zu platt wahrgenommen werden”, erläutert Unternehmensberater Bernd Höhne http://jobdot.de gegenüber pressetext. Dem Experten zufolge könnte das Image des Konzerns langfristig gesehen darunter leiden. “Praktiker sollte in der Werbung zu einer gewissen geistigen Tiefe zurückkehren”, so Höhne.

Für Marketing-Branchenfachleute kommt das Zurückrudern der Saarländer vor dem Werberat nicht überraschend, schließlich war die Werbung alles andere als missverständlich. Nachdem eine Hellweg-Filiale http://hellweg.de in Essen-Kettwig komplett abgebrannt war, startete der Rivale in der Stadt laut Kritikern mit pietätlosen Großplakaten. Darauf zu lesen stand der Werbespruch untermalt mit lodernden Flammen sowie Praktiker-Adressen von zwei nahe liegenden Filialen als alternative Einkaufsmöglichkeiten. Zudem hatte das Management vor den Ruinen am Unglücksort einen Praktiker-Transporter mit demselben Slogan parken lassen.

Keine Instrumentalisierung geplant

Im Zuge des Marketinggags wurde der Werberat tätig und teilte Praktiker daraufhin mit, dass eine Beschwerde eingegangen sei. Darin beschwert man sich, “dass mit dieser Werbung ein Unglücksereignis auf pietätlose Weise zum Thema einer Werbemaßnahme gemacht werde”, zitiert die Wirtschaftswoche. Praktiker dagegen weist eine Instrumentalisierung von sich und stellt die Information über alternative Einkaufsmöglichkeiten in den Fokus. Ein Sprecher des Unternehmens gibt aber selbstkritisch zu, dass “das im Nachhinein sicher ein Missgriff war”. In eigener Sache hatte Praktiker den Slogan schon Ende der neunziger Jahre selbst verwendet.

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Ein Kommentar

  1. Für die Anbieter von Waren oder Dienstleistungen wird es
    (angesichts der Medien-Invasion in den vergangenen Jahren)
    immer schwerer, öffentlich Aufmerksamkeit zu erringen.
    Deshalb braucht Werbung ein Höchstmaß an Kreativität
    und provokative Elemente müssen in diesem Zusammenhang
    auch der Wirtschaftswerbung erlaubt sein.
    Die Demarkationslinie zwischen den „Werten“ der Gesellschaft
    ist aber dann überschritten, wenn menschliches Leid für Absatz-
    Interessen ausgebeutet wird.
    Die Ethik, also das „sittliche Verständnis“, sollte gewahrt bleiben!


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Der Beitrag wurde am 23. Januar 2010 um 11:09 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Werbung gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.