Lotterie spielen, in Aktien investieren, aufs richtige Pferd setzen – Risikoabschätzung fällt den Deutschen schwer
von Ralf KosubMillionen Deutsche spielen Lotto, beteiligen sich an Gewinnspielen oder investieren am Aktienmarkt. Mit welchem Erfolg eigentlich? Nur wenige Bundesbürger können nämlich das eigene finanzielle Risiko und den Ertrag richtig abschätzen. Gerade einmal 14 Prozent konnten von drei gestellten Fragen zur Risikoabschätzung alle drei auch richtig beantworten. Dabei stellten die Finanzmarktforscher von TNS Infratest recht einfache Fragen wie zum Beispiel, wie Gewinnhöhen und Gewinnchancen gegeneinander zu berechnen und Ertragschancen zu schätzen seien. Ebenfalls wurde der Wissenstand, ob eine Investition in eine Einzelaktie risikoreicher sei als die Investition in einen Aktienfonds abgefragt. Im Ergebnis schnitten dabei Männer besser ab als Frauen. Auch die Jüngeren, die Teens und jungen Twens bis 25 Jahre, kamen zu deutlich richtigeren Ergebnissen als die vermeintlich lebenserfahreneren älteren Menschen.
Die Finanzmarktforscher von TNS hatten in einer Mehrländer-Studie* zum Thema „Risikobewertung und Risikobewusstsein in privaten Haushalten in Zeiten der Krise“ in Deutschland im Zeitraum vom 18. bis 21. Juni 2009 insgesamt 1.107 Personen online befragt. Die Studie wurde vom Marktforschungsunternehmen TNS in Kooperation mit US-Forschern der Harvard Business School (Cambridge, Massachusetts / USA) und des Dartmouth College (Hanover, New Hampshire / USA) entwickelt.
Weiter stellten die Finanzmarktforscher fest, dass die Verbraucher ihr Wissen und ihre Kenntnisse rund um das Thema Finanzen kaum auf den jeweils aktuellsten Stand bringen. Gerade mal jeder Neunte hat sich vor der Finanzkrise selbständig intensiv über Finanzangelegenheiten informiert, also Seminare besucht, entsprechende Fachbücher und / oder Zeitschriften gelesen oder entsprechende Websites von Finanzdienstleistern zu Rate gezogen. Männer sind mit 15 Prozent auch hier aktiver als Frauen (sieben Prozent). Generell zeigen sich Menschen mit Hochschulabschluss und sogenannte „Besserverdiener“ (mindestens 70.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen) interessierter an Finanzthemen. Auch während der Finanzkrise ist das Interesse der Bundesbürger kaum gestiegen. Lediglich sechs Prozent haben Aktivitäten zur Weiterbildung in Finanzfragen gestartet. Gleichzeitig haben aber auch sechs Prozent ihre bestehenden Aktivitäten verringert. „Die Bundesbürger sind offenbar „Finanzmuffel“ – trotz der hohen Bedeutung von Finanzwissen“, sagt Bernhard Keller, Director Finanzmarktforschung bei TNS Infratest. Die Versäumnisse beginnen schon in den Jugendjahren: 51 Prozent bekennen, in der Schul- und Ausbildungszeit wenig oder fast nichts über Finanzen gelernt zu haben. Das trifft Frauen (55 Prozent) stärker als Männer (46 Prozent), aber sonst alle Alters- und Bildungsgruppen gleichermaßen. „Da ist es nicht erstaunlich, dass in der Krise nur 15 Prozent einen Plan für ihre Einnahmen und Ausgaben im kommenden Jahr erstellt haben und nur jeder Fünfte den Wert seines Besitzes und die Höhe seiner Schulden berechnet hat“, so Keller. „Insgesamt ist Wissensvermittlung dringend angeraten, denn zur eigenen Risikoabschätzung mangelt es vor allem an Finanzwissen in der Bevölkerung“.
*Die Studie wurde von den jeweiligen TNS-Landesgesellschaften mit insgesamt 14.639 Interviews in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Kanada, USA, Mexiko, Argentinien, Singapur und Hong Kong durchgeführt.
Quelle: TNS Infratest, 21.12.2009











