Konsumenten kapitulieren vor englischen Slogans

von Winfried Braun

slogansSkurrile Übersetzungen machen Produktkampagnen wirkungslos

Slogans häufig missverständlich gewählt (Foto: douglas-holding.de)
 
Hamburg/Pfäffikon (pte) – Nur jeder Vierte versteht Werbeslogans in englischer Sprache und interpretiert damit Marken- und Produktkampagnen von Herstellern richtig. Irritationen dieser Art können sehr schnell zu skurrilen Übersetzungen führen, die letztendlich ihre eigentliche Intention verfehlen. Aus dem Slogan des Automobherstellers Opel “Explore the City Limits” wurden “Explosionen an der Stadtgrenze” oder “Das Stadtlimit explodiert”. Noch peinlicher hingegen ist die Interpretation des Klassikers “Come in and find out” der Parfümeriekette Douglas. Für ahnungslose Kunden bedeutet diese Werbung “Komm rein und finde wieder raus” – ein fatales PR-Missverständnis.

Lernbereitschaft mangelhaft

“Leider sind Fauxpas dieser Art keine Seltenheit. Da englische Slogans immer noch bei vielen nicht ankommen, muss man daraus ableiten, dass die Konzerne nichts dazu gelernt haben”, erläutert Thomas Otte, Inhaber des gleichnamigen Beratungsunternehmens http://www.brand-consulting.com, auf Nachfrage von pressetext. Dem Markeninsider nach sollte Werbung stets Informationen über das Produkt oder die Marke geben sowie darüber hinaus die Entscheidung der potenziellen Käufer beeinflussen. “Erfüllen Werbeslogans die Funktion, dann spricht man von ,dienender Kreativität’. Agenturen kommen dieser Aufgabe aber oft nicht nach”, so Otte.

Verfehlte Wirkung durch freilaufende Kreativität

Die Einschätzung Ottes bestätigt sich mit Blick auf die Ergebnisse der Branchenerhebung der Namensagentur Endmark http://www.endmark.de , die erhoben hat, wie Slogans in englischer Sprache von deutschen Kunden verstanden werden. Der Werbespruch des US-Jeans-Giganten Levi Strauss “live unbuttoned”, der ein freies und ungezwungenes Leben suggerieren soll, ist mit “Leben ohne Knöpfe”, “Leben am Knopf” oder gar mit “unbekleidetem Leben” übersetzt worden. “Das Problem entsteht daraus, dass Agenturen oft ihrer Kreativität freien Lauf lassen und die eigentlichen Information über Produkt-Besonderheiten dieser unterordnen”, sagt Otte.

Im Gespräch mit pressetext weist der Markenexperte auch darauf hin, dass die Beispiele Opel, Douglas und Levi Strauss zeigen, dass die Unternehmen selbst nicht genau wissen, wofür ihre Slogans eigentlich stehen und was sie ausdrücken sollen. Werbeinsider plädieren somit dafür, dass Slogans immer so gewählt sein sollten, indem sie sich auf den Alltag übertragen und sich in einem Gespräch verwenden lassen. In der Muttersprache funktioniert dieses Prinzip häufig viel einfacher. “Nichts ist unmöglich” (Toyota), “Bitte ein Bit” (Bitburger) oder “Ich bin doch nicht blöd” (Media Markt) seien gute Beispiele, wobei auch Zielgruppen entscheidend sind.

Merken & Weitersagen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • TwitThis
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • del.icio.us
  • Webnews
  • Digg
  • Reddit
  • Facebook
  • MySpace
  • Technorati
  • Tausendreporter
  • Print

2 Kommentare

  1. Alle Jahre wieder … http://www.marketingguerilla.net/2008/03/16/englische-werbung-und-boehmische-doerfer/ :-)

    Es ist schon interessant zu beobachten, dass die Firma Endmark immer wieder Sogans auf ihre Verständlichkeit innerhalb der Zielgruppe abfragt – nach 2003, 2006, nun zum dritten Mal – und bei jeder Befragung zum gleichen Ergebnis kommt. Das Interesse von seiner Zielgruppe verstanden zu werden, scheint demnach bei einigen Marketing-Verantwortlichen nicht außerordentlich groß oder ausgeprägt zu sein. Nun ja, bei den Ergebnissen könnte man auch die Frage stellen, ob denn in dieser Beziehung überhaupt ein Interesse vorliegt? Wenn, ähnlich wie in den Jahren zuvor, über zwei Drittel der Konsumenten die englischen Werbebotschaften entweder gar nicht oder falsch verstehen, ist diese Frage wohl mehr als berechtigt.

    Übersetzungsbeispiele wie „Sinn & Einfalt“ für „Sense and Simplicity“ (Philips), „Mache Deinen Brotkasten selbst“ für “Broadcast Yourself” (You Tube) und “Die Taste ist getuned” für “Taste tuned” (Mixery) mögen zwar Extrembeispiele darstellen, sind aber laut Studienverfasser symthomatisch. Nur etwa 28 Prozent der Befragten waren im Durchschnitt in der Lage, die englischen Werbesprüche im Sinne ihrer Absender zu verstehen.

    Obwohl das Thema ja auch schon von der logischen Seite her oder, wenn man sich nicht gerade im Business-Jet-Set bewegt, durch einfach mal links und rechts gucken erfassbar wäre, macht es für denjenigen, der seine Produkte an den Mann oder die Frau bringen will, durchaus Sinn sich mit diesen Studienergebnissen zu befassen und die Erkenntnisse zu nutzen. möglicherweise besteht ein Zusammenhang zwischen “Verstehen” und “Kaufen” …

    am 25. 10. 2009 um 09:48 Uhr von Enrico Mascholleck
  2. Da sage ich nur “Hang on the artdirectors” oder auf Deutsch: “Hänge die Museumsleiter” :-)

    am 25. 10. 2009 um 22:11 Uhr von ElliPirelli

Kommentar schreiben

Der Beitrag wurde am 18. Oktober 2009 um 10:42 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Werbung gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.