Ungewöhnliche Kommunikation in der Krise

von Winfried Braun

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Bundesfinanzministerium wirbt mit Brötchentüten und Pizzaschachteln für Bürgerdialog im Internet

Die Finanz- und Wirtschaftskrise stellt die politische Kommunikation vor besondere Herausforderungen. Das Bundesfinanzministerium setzte von Anfang an stark auf das Internet und den direkten Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern. Peer Steinbrücks Haus hatte festgestellt, dass vor allem in der Krise ein ungeheurer Bedarf bei Bürgern besteht, selbst nachfragen zu können, um die Hintergründe genauer zu verstehen. Finanzpolitik steckt zudem in vielen Bereichen des Lebens, kommt aber oft genug kompliziert daher. Anfang März 2009 startete deshalb die Website www.fuer-alle-da.de. Über eine einfache Suchmaske kann eine Frage eingegeben werden die Antwort kommt innerhalb weniger Tage von den Experten aus dem Haus.

Bäckertüten

„Die zentrale Frage, die sich stellte, war aber: Wie erreichen wir gerade die politikfernen Zielgruppen in ihrem Alltag?“ erläutert Alfons Polczyk, Leiter Öffentlichkeitsarbeit im Bundesministerium der Finanzen. Die Wahl fiel unter anderem auf Ambient Medien – und zwar auf für ein Bundesministerium ziemlich ungewöhnliche Maßnahmen. Auf Brötchentüten und Pizzaschachteln druckten die Öffentlichkeitsarbeiter typische Bürgerfragen wie „Warum müssen Banken gerettet werden?“ oder „Wie hilft der Staat Familien in der Krise?“ Auf der Rückseite verspricht das Ministerium Antworten auf alle Fragen der Bürger unter der eigens eingerichteten Website. Ingesamt 740.000 Tüten und 150.000 Schachteln wurden seit April in fünf deutschen Großstädten unter die Leute gebracht.

„Wir hatten auch beabsichtigt, dass sich Medien für die Aktion interessieren und die Brötchentüte auf dem Frühstückstisch zum Anlass nehmen, um ihre Leser auf unser Service-Angebot hinzuweisen“, so Polczyk. Klassische Werbung in Zeitschriften und Zeitungen wäre keinesfalls finanzierbar und effizient gewesen. Das Ergebnis: In Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und München fielen die ungewöhnlichen Werbeträger tatsächlich auch Journalisten in die Hände. Zahlreiche Medien, darunter auch die FAZ und die SZ, schrieben über die „Krisenpizza“ und das neue Angebot im Netz. Auch im Internet fotografierten und diskutierten Blogger die ungewöhnlichen Werbemittel.

pizzakarton-klein

Mit weit über 7.000 Bürgerfragen bereits nach den ersten drei Monaten, die Chats mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück nicht eingerechnet, und einem breiten Themenspektrum von A wie Abwrackprämie bis Z wie Zulagen für Familien ist „Für alle da“ ein voller Erfolg. Die Ambient-Medien leisteten dabei einen wichtigen Beitrag: Sie waren ungewöhnliche Kommunikationsmittel in ungewöhnlichen Zeiten.

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Der Beitrag wurde am 8. Juli 2009 um 22:45 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Marketing & Kommentare, Online-Marketing gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.