Job-Centern laufen die Mitarbeiter weg

von Winfried Braun

Berlin (ots) – Den Job-Centern, die für die Betreuung der fast sieben Millionen Hartz-IV-Empfänger in Deutschland zuständig sind, laufen die Mitarbeiter davon. Wegen der ungeklärten Zukunft der Behörden ist die Fluktuation unter den rund 60.000 Beschäftigten enorm hoch. “Die Wechselquote liegt zwischen 20 und 30 Prozent”, sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit (BA), dem Tagesspiegel (Montagausgabe). Das heißt: Übers Jahr gesehen sucht sich fast jeder dritte Mitarbeiter einen neuen Job. Das beeinträchtigt die Arbeit. Die große Koalition hat es in dieser Legislaturperiode nicht geschafft, eine Neuregelung für die Job-Center zu beschließen. Das ist aber nötig, damit die Behörden, in denen Kommunen und die BA unter einem Dach kooperieren, weitermachen können. Das Bundesverfassungsgericht hatte Ende Dezember 2007 die Mischverwaltung für verfassungswidrig erklärt. Ohne eine Gesetzesänderung müssen die Job-Center am 31. Dezember 2010 dicht machen. Die Gewerkschaften fürchten, dass mit einer hohen Fluktuation auch die Qualität der Aufgabenerledigung leidet. “Ein Langzeitarbeitsloser muss meist über längere Zeit intensiv betreut werden, der Vermittler muss ein gewisses Vertrauensverhältnis zu ihm aufbauen. Wenn da der Ansprechpartner wechselt, ist das auch für die Vermittlung der Betroffenen nicht förderlich”, sagte Wilhelm Adamy, Bereichsleiter Arbeitsmarktpolitik beim DGB, dem Tagesspiegel. Der Arbeitsmarktexperte kritisiert die große Koalition. “Es ist ärgerlich, dass die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode die rechtliche Absicherung der Job-Center nicht hinbekommt”, sagte Adamy.

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2 Kommentare

  1. Klingt irgendwie makaber.
    Die einen suchen Arbeit und finden keine; die anderen haben Arbeit und “laufen weg”.

    Ein kleines Gedankenspiel sei erlaubt: Kann die hohe Fluktuation nicht auch daran liegen, dass sich das Arbeitsagentur-Personal selbst aus dem Pool ihrer Kunden rekrutiert. Diese Personen wechseln dann, sobald sie vermeintlich “bessere Jobs” gefunden haben.
    Natürlich könnte die Arbeitsagentur die hohe Fluktuation gleich wieder aus dem Pool der Suchenden nachpersonalisieren. So bleibe der Fluktuationskreislauf stets gewahrt. Nur den wirklich Bedürftigen wäre nicht geholfen.

    am 07. 07. 2009 um 20:13 Uhr von ElliPirelli
  2. Die Situation verwundert vielleicht auf den ersten Blick. Aber nach Maslow setzt irgendwann nach Brot und Butter sowie einem Dach über dem Kopf das Streben nach Sicherheit ein. Wenn die Jobsituation so ist wie geschildert, werden die Mitarbeiter etwas suchen, was ihnen ein “mehr” an Sicherheit bietet und andere die sich in der Pyramide darunter befinden sind zufrieden, wenn sie zunächst einmal temporäre Sicherheit haben, aber dann irgendwann auch wieder nach einem “mehr” an Sicherheit streben … Nicht unbedingt die besten Ausgangsvoraussetzungen für ein stabiles Geschäft bzw. in diesem Fall für stabile Dienstleistungen.

    am 08. 07. 2009 um 07:09 Uhr von Enrico Mascholleck

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Der Beitrag wurde am 5. Juli 2009 um 22:32 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Marketing & Kommentare gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.