bis 9. August 2009 – Henry Moore – Wie die Natur – Druckgraphik

von Winfried Braun

1140-1_1964_moore_72dpi_150Die Ausstellung „Henry Moore – Wie die Natur“ präsentiert rund 70 Radierungen und Lithographien Henry Moores aus dem Bestand der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, die mit insgesamt 496 Blättern die drittgrößte Graphiksammlung des Künstlers weltweit besitzt, sowie eine kleinformatige Plastik aus der eigenen Sammlung und zwei Leihgaben aus dem Sprengel Museum, Hannover.

In modifizierter Form war die Ausstellung bereits 2007 in der Herbert-Gerisch-Stiftung, Neumünster zu sehen.
Kaum ein zweiter Künstler des 20. Jahrhunderts beschäftigte sich so nachhaltig mit dem Verhältnis von Mensch und Natur wie der englische Bildhauer und Graphiker Henry Moore (1898 – 1986). Immer von Neuem ließ er sich von den Strukturen vorgefundener Naturformen inspirieren, die er in seiner Kunst zu Aussagen über die Natur – und damit über den Menschen – formuliert hat.
Die Grundlagen seines künstlerischen Schaffens beschrieb Henry Moore schon zu Beginn seiner Karriere 1934. Sein Werk sollte nicht die Realität spiegeln, sondern vielmehr diejenige künstlerische Vitalität aufweisen, die dem Schönheitsbegriff der Ästhetik entspricht. Demnach sollten seine Arbeiten weniger rekapitulierend „nach der Natur“ als vielmehr in einem schöpferisch-kreativen Prozess „wie die Natur“ entstehen.
Herausragende Beispiele für die Darstellung morphologischer Formen in der Graphik Henry Moores sind die Blätter der „Reclining Figures“ (Six Reclining Figures, 1963 und Six Reclining Figures Black, 1963), der liegenden Figuren, die neben- und übereinander auf dem Blatt komponiert werden. Die im Skulpturenhof des Lehmbruck Museums liegenden Plastiken des Künstlers, die zweiteilige Bronzefigur aus dem Jahr 1959 und „Locking Piece“ (1962) ermöglichen vergleichende Blicke in den unterschiedlichen Gattungen, in denen Moore gleichermaßen das große Thema der liegenden weiblichen Figuren verfolgte.
Die Ausstellung im Graphischen Kabinett des Lehmbruck-Trakts zeigt Druckgraphiken aus den Jahren bis 1977, die in der Zeit zwischen 1975 und 1988 erworben wurden.
Neben Einzelblättern sind auch die selten gezeigten Arbeiten aus den großen Mappenwerken der späten 1960er und frühen 1970er Jahren, die zu den Meisterwerken des Künstlers zählen, zu sehen.
„Es gibt in der Natur eine unbegrenzte Vielfalt von Gestalten und Rhythmen [...], mit Hilfe derer der Bildhauer seine Erfahrungen in der Kenntnis der Formen vergrößern kann. [...] ich habe beim Studium von Naturgebilden wie Kieselsteinen, Felsblöcken, Knochen, Bäumen, Gewächsen usw. Form- und Rhythmusprinzipien gefunden“ , schreibt Moore 1933.
Von der Ehefrau des englischen Verhaltensforschers Julian Huxley, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband, erhielt Moore 1968 einen Elefantenschädel geschenkt. Das Präparat wird für Moore zum Ausgangspunkt einer intensiven Suche nach den Formen der Natur und ihrer Umsetzung in der graphischen Kunst, aus der um 1969/70 die graphische Serie „Elephant Skull Album“ mit 37 Radierungen entsteht. Im Lehmbruck-Trakt ist, als Leihgabe des Zoo Duisburg, das Schädelpräparat eines Waldelefanten zu sehen. Die Gegenüberstellung mit den Blättern des „Elephant Skull Album“ veranschaulicht eindrucksvoll Moores biologisch-künstlerischen Brückenschlag zwischen den Gestaltungsprinzipien von Natur und Kunst.
Während Henry Moore in den Serien „Elephant Skull Album“ und „Stone (Dante Stones)“ (5 Radierungen, 1977) sehr anschaulich natürliche Formenstrukturen in die Sprache der Kunst überträgt, wirkt der Zyklus „Auden Poems“ düsterer, existentieller, zum Teil nahezu beklemmend. Eine Sonderausgabe mit 13 ausgewählten Gedichten von Wystan Hugh Auden (1907– 1973), denen insgesamt 21 Abbildungen Henry Moores gegenüber gestellt wurden, erschien 1974. Die Werke Moores erschienen zudem als Mappe mit 18 Lithographien in einer Auflage von 75 Exemplaren. Angeregt durch die existentialistischen Gedichte des aus New York stammenden Schriftstellers transformierte Moore in seinen Lithographien die Landschaft zum abstrakten Raum, düster und flächig dargestellt.
Das Lehmbruck Museum verfügt über die drittgrößte Graphiksammlung Henry Moores weltweit. Während eines Besuches im Lehmbruck Museum 1965 sagte Moore aus Begeisterung über dieses erste Museum moderner Skulptur dem Haus einen Abzug jeder zukünftig entstehenden Graphik zu. Diesem Umstand verdankt das Museum einen Schatz von 469 Druckgraphiken (718 schaffte Moore insgesamt), die anlässlich des Jahres der Graphik 2009 bis zum 9. August 2009 im Lehmbruck-Trakt präsentiert werden.
Zur Ausstellung ist der 2007 von der Herbert-Gerisch-Stiftung herausgegebene Katalog „Henry Moore – Wie die Natur. Druckgrafik und Plastik“ zum Preis von 19,80 Euro erhältlich.

Abbildung: Henry Moore,
Six Reclining Figures, 1963,
Farblithographie, 41,9 x 50,8 cm,
Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg, © The Henry Moore Foundation, Much Hadham

Besucheradresse:
Friedrich-Wilhelm-Str. 40
D- 47051 Duisburg
Telefon: +49 (0) 203 283 3294 / 2630
Telefax: +49 (0) 203 283 3892
info@lehmbruckmuseum.de
http://www.lehmbruckmuseum.de

Öffnungszeiten:
Di – Sa 11–17 Uhr
So 10–18 Uhr
Mo geschlossen

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Ein Kommentar

  1. Moore ist bekannt für seine monumentalen und abstrakten Skulpturen.

    am 07. 05. 2009 um 21:44 Uhr von Pelle Hozzo

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Der Beitrag wurde am 7. Mai 2009 um 00:18 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Veranstaltungen gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.