Mama, biiiitte kauf’ mir die Schokolade!

von Ralf Kosub

Der Einfluss von Kindern auf die Kaufentscheidungen im Supermarkt wird von Eltern enorm unterschätzt. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie der Universität Wien. Nur die Hälfte der Spontankäufe, die im Supermarkt von Kindern ausgelöst werden, ist den Eltern auch bewusst. Die Konsumentenforscher Claus Ebster und Udo Wagner vom Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien haben dazu in der renommierten Fachzeitschrift “Journal of Retailing and Consumer Services” publiziert.

“Den meisten Eltern ist völlig unklar, wie sehr sie in ihren Kaufentscheidungen von ihrem Nachwuchs beeinflusst werden”, sagt Claus Ebster. An die 200 Eltern wurden unbemerkt beobachtet, während sie mit ihren Kindern in Supermärkten einkaufen gingen, und anschließend dazu interviewt. Auf die Frage, wie viele ihrer Käufe durch ihr Kind beeinflusst wurden, gaben die Eltern im Durchschnitt nur die Hälfte der verdeckt beobachteten Einkäufe an. “Wenn man bedenkt, dass die meisten Kaufentscheidungen direkt im Geschäftslokal getroffen werden, sollten weder der Handel noch die Eltern selbst den Einfluss von Kindern auf Spontankäufe unterschätzen”, resümiert Udo Wagner, Professor für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien.

Die beiden Forscher untersuchten auch, welche Faktoren für die Kaufanregungen durch Kinder verantwortlich sind. Es zeigte sich, dass Kinder insbesondere Produkte verlangen, die sich direkt auf ihrer Augenhöhe befinden. Dies sind zum Beispiel Süßigkeiten und Spielzeug, die vom Handel strategisch auf den unteren Regalen platziert werden. Eltern können die Kaufanfragen ihres Kindes am besten gering halten, wenn das Kind im Einkaufswagen mit dem Gesicht zu den Eltern gewandt sitzt, denn dabei wird das Blickfeld der Kleinen eingeschränkt. “Wenn der Nachwuchs im Kinderwagen sitzt, sind die Kaufanfragen an die Eltern ebenso geringer”, stellt Konsumentenforscher Claus Ebster fest.

Die Eltern wiederum geben den Kaufwünschen ihrer Kinder eher nach, wenn sich das Produkt im Geschäftslokal verwenden oder konsumieren lässt, wie etwa Spielzeug, Süßigkeiten und Obst, denn damit sind Kinder dann während des Einkaufens beschäftigt.

Die Studie hält auch Ratschläge für die Kinder parat: Höflich zu fragen zahlt sich aus! Die Eltern waren deutlich häufiger bereit, auf die Kaufwünsche ihrer Kinder einzugehen, wenn diese klar und höflich mitgeteilt wurden; nicht so, wenn die Kinder zornig nach einem Produkt verlangten oder aber ihren Wunsch nur schwach und zögerlich ausdrückten.

Weitere Informationen:
www.univie.ac.at/
marketing.univie.ac.at/index.php?id=presse

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 16.03.2009; Bildquelle: www.piqs.de (Fotograf: Knipsermann; Bildtitel: Schokolade)

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5 Kommentare

  1. Oh ja, ich glaube, dass kann jeder, der schon mal in einer Kassenschlange gestanden hat, nur bestätigen!

    am 29. 03. 2009 um 10:30 Uhr von Enrico Mascholleck
  2. Aud dem Blickfeld, aus dem Sinn. An diesem Beispiel wird einmal mehr deutlich, wie einfach das Kaufverhalten von Konsumenten eigentich zu beeinflussen wäre, zumindest im Konsumgüterbereich.
    Einmal weiter gedacht, müsste der Einzelnhandel seine Ladenhüter nur entsprechend platziern und alles wäre geritzt. Mit fast abgelaufenden Joghurts etc wird ja ähnliches – dann aber versehen mit einem weiteren Kauf-Argument -dem reduzierten Preis, gemacht, Aber so einfach ist die Psycholoigie des Einkaufens dann wohl doch nicht. Ich bin der Meinung, dass immer gleich mehrere Faktoren nach dem AIDA-Prinzip zusammenkommen müssen, damit ein Kaufimpuls auch im Konsumgüterbereich entsteht.

    am 29. 03. 2009 um 11:49 Uhr von ElliPirelli
  3. Hallo auch,

    ich habe selbst einen inzwischen schon 5-jährigen Sohn. Da ist nichts mehr mit Kinder- und/oder Einkaufswagen angesagt.
    Zu dem Artikel kann ich nur bestätigen: wenn er freundlich fragt, am besten noch mit niedlichem Gesichtsausdruck, kann ich oft nicht widerstehen und gebe kleineren Wünschen nach. Allerdings sind es bei mir mehr kleinere Spielzeuge, Pixi-Bücher, Malhefte und ähnliches, da ich auf eine gesunde Ernährung achte.
    Bei Obst sage ich nie “Nein”, da ich es gern unterstütze.
    Wenn ich mir so überlege, wie viele Kaufentscheidungen mein Kind mit trifft, ist das bei uns sogar relativ viel. Ich nehme ihn gern zum Einkaufen mit und höre mir seine Wünsche für’s Abendessen/Frühstück an.
    Ich denke, wenn man ehrlich zu sich ist und weder den Geldbeutel noch die Gesundheit außer Acht lässt, hat das Einbeziehen des Kindes in die Entscheidungen den Vorteil, dass die Kleinen gleich Aufgaben kennenlernen. Mein Sohnemann hilft gern im Haushalt mit und ich unterstütze es, damit er es für sein späteres Leben kann.

    Liebe Grüße und viel Spaß beim Einkaufen, Annie

  4. AIDA ist eine Abkürzung. Die einzelnen Buchstaben bedeuten: Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Verlangen), Action (Handeln)
    Es beschreibt das Prinzip der Werbewirkung und enthält die vier Phasen, die ein Kunde durchläuft die zu einer Kaufentscheidung führen. Das gilt auch für Kinder bzw. für deren Eltern.

    am 29. 03. 2009 um 20:13 Uhr von Winfried Braun
  5. Mit der gesellschattlichen Entwicklung hin zur Ein-Kind-Ehe bzw. zum Drei-Personen-Haushalt ist die Rollenwechsel des Kindes zum Gatekeeper im Buying Center eigentlich relativ logisch herleitbar. Gepaart mit einem gut entwickelten “Klangkörper” auf Seiten des Kindes und etwas Zeitdruck auf Seiten der Mutter / des Vaters ist so mancher Widerstand gegen eine Kaufentscheidung in Windeseile dahin.

    am 31. 03. 2009 um 09:00 Uhr von Ralf Kosub

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Der Beitrag wurde am 28. März 2009 um 20:31 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Marketing & Kommentare, Studien & Umfragen gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.