Statussologie
von Liesel Pusacker
“Man kann nicht nicht um den Status kämpfen.“ Das ist eine der zentralen Aussagen von Tom Schmitt mit Michael Esser. In Anlehnung an Paul Watzlawick´s „Man kann nicht nicht kommunizieren“ ergründen die beiden Autoren in ihrem Buch „Statusspiele“, was es mit dem Statusverhalten und Durchsetzungsvermögen im Alltag, im Beruf, in der Liebe auf sich hat. Weshalb reißen manche Personen innerhalb weniger Augenblicke jedes Gespräch an sich und warum werden andere ständig unterbrochen? Jeder Mensch macht in seinem Leben immer wieder die gleichen Erfahrungen und erlebt Situationen nach einem ähnlichen Ablaufschema. Viele erkennen nicht, was dabei wirklich passiert.
Die Autoren folgen der Annahme Keith Johnstone´s, dass Geschichten, in denen Menschen sich begegnen, stets von Dominanz und Unterwerfung handeln. Oft entscheidet sich schon beim Blickkontakt, wer der Statushöhere ist und sich durchsetzen wird. Die meisten Menschen sind intuitive Statusspezialisten und ordnen das Gegenüber schnell ein – als ranghöher oder rangniedriger. Dabei ist dies keine absolute sondern stets eine relative Aussage. Je nähe die Statustreibenden beieinander liegen, umso größer das Gerangel.
Die Kunst, die Oberhand im Statuskampf zu gewinnen beziehungsweise zu behalten, basiert hauptsächlich auf zwei Techniken, behaupten Schmitt und Esser. Erstens auf einem schnellen Wechsel zwischen der Einnahme eines hohen und tiefen Status´ und zweitens auf dem Kunstgriff, den Kampf um Dominanz auf eine spielerische Ebene zu heben.
Grundsätzlich gebe es vier Statustypen in der Spielarena. Diejenigen mit hohen innen (gefühltem) Status und hohen nach außen (dargestellten) Status, die niedrig–niedrig Statustypen (Menschen mit weniger Selbstwertgefühl und geringer Durchsetzungskraft), und diejenigen, die innen hoch und außen niedrig spielen und umgekehrt. Die Typologie ist nicht starr, Status kann gewechselt werden…Er wird immer wieder neu verhandelt, wenn er nicht aussichtslos ist.
Alphatiere versus Teamplayer. Die innen und außen hohen Statustypen sind uns als Alphatiere bekannt. Sie fordern unmissverständlich Unterwerfung, setzen sich häufig durch. Sie erlangen Respekt, häufig zum Preis der Sympathie. Bei den Teamplayern, hier als innen und außen Niedrig-Statustypen bezeichnet, dagegen, gehe es eher um Harmonie und Sympathie denn um Respekt und Dominanz.
Interessant wird es nun bei den Mischtypen: Menschen mit geringem Selbstwertgefühl und hohem Bedürfnis nach Außenstatus treten häufig vehement auf, sind emotionalisiert und gehen Konflikten nicht unbedingt aus dem Wege. Ihre innere Aufregung lässt das Gegenüber aber sehr schnell erahnen, dass man es hier mit einem Niedrigstatusser zu tun hat. Er verliert das Spiel häufig. Als Ausnahme werden übrigens im Buch die Oberzicken genannt. Diese schaffen schon einmal auch einen doppelten Hochstatus zur Aufgabe seiner Ziele zu bringen.
Menschen, die eher dem Typ innen hoher Status/außen niedriger Status zuzuordnen sind, gelingt es, sowohl Respekt und Durchsetzungskraft als auch Sympathien zu erwerben. Denn sie können deutlich ihr Ziel artikulieren aber freundlich und bedacht (Teamplayer) im Umgang sein. Indem innen statushohe Personen den Status häufiger wechseln und auf eine spielerische (nicht aufgeregte) Art kommunizieren, gelingt ihnen, was den anderen verwehrt bleibt. Sie setzen ihre Interessen durch und werden gemocht. Die Königsdisziplin also.
Auch in der Liebe sieht es nicht anders aus. Love is a battlefield. Viele Probleme und Auseinandersetzungen, die Paare über Jahre hinweg führen, sind Statusspiele. Der eine will sich von dem anderen nicht vorschreiben lassen, was er zu tun hat. Der andere will sich nicht ändern, nur weil der Partner das will, usw. Auch in der Liebe sind schnelle Statuswechsel laut Schmitt und Esser von Nöten. Wechselt ein Partner zum Beispiel vom hohen in den tiefen Status, so stellt er die geliebte Person in den Mittelpunkt. Verfahren beide Partner auf diese Art und Weise, können sie sich besser aneinander binden. Denn Statusspiele sind auch Kitt.
Im beruflichen Kontext ist häufig durch Hierarchien eindeutig festgelegt, wer der Statushöhere ist. Dennoch wird der Status nicht nur über Funktionen transportiert und die Persönlichkeit eines Menschen entscheidet sozusagen über seinen Zusatzstatus im Ranggefüge. Respekt ist das zentrale Thema. Da nun nicht alle Menschen sich diesen grundsätzlich und immer verschaffen werden, bleibt ein kleiner Trost: Hochstatustypen brauchen auch Niedrigstatustypen, um ihren Status ausüben zu können. Im großen Unternehmensteich hat also jeder seinen Platz.
Statusspiele, Tom Schmitt und Michael Esser, erschienen bei Scherz, ein Verlag der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-502-15152-4











