Wissenschaft trifft Praxis oder Elfenbeinturm meets Werkstor
von Winfried BraunErstmals seit ihrer Tätigkeit an der Universität Duisburg-Essen mit dem Lehrangebot im Bereich Wirtschafts-und Organisationspsychologie und den Schwerpunkten Werbe- und Konsumentenpsychologie hat Frau Prof. Dr. Dipl.-Psych. Annette Kluge die praktische Zusammenarbeit ihrer Studenten mit Unternehmen beim Verein „MarketingGuerilla“ vorgestellt.
Das Profil der Universität Duisburg-Essen ist überwiegend durch Ingenieurwissenschaften geprägt. Erst seit Kurzem gibt es den Studiengang — Komedia — “Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaft”. Das Lehrangebot besteht aus Wirtschafts- und Organisationspsychologie mit den Schwerpunkten Werbe- und Konsumentenpsychologie. Zudem tragen die Kompetenzen in den Bereichen Human Factor Forschung, Change Management, Innovation und Complexity zur weiteren Profilierung von “Komedia” bei.
Im Fokus des Abends bei „MarketingGuerilla“ stand das Thema, „dass es nichts Praktischeres gibt als eine gute Theorie und dass Studierende und Praktiker voneinander lernen können“, so erläuterte einführend Prof. Kluge.
Die Zusammenarbeit zwischen Universität und Unternehmen basiert in erster Linie auf persönlichen Kontakten. Die Unternehmen bringen sich dann gerne ein, wenn die Zusammenarbeit auch mit einem praktischen Nutzen verbunden ist. Für Unternehmen und Hochschule gibt es Vorteile. Einerseits können sich die Studierenden besser vorstellen, wofür sie etwas lernen und wie man das dann praktisch in Unternehmen einbringen kann. Und anderseits können die Unternehmen von den jungen Leuten in den Universitäten selber lernen, und sich auf den neuesten Stand bringen. Häufig sehen die beteiligten Partner in der Zusammenarbeit eine persönliche Bereicherung und entwickeln sich weiter. Als Beispiel für die konstruktive Zusammenarbeit stellte Kluge mehre interessante Projekte vor.
Wissenschaftler und Studenten der Universität Duisburg-Essen begleiteten ein Projekt der Bundesluftwaffe beim Jagdgeschwader „Richthofen“ in Wittmund — zwischen Emden und Wilhelmshaven. Inhaltlich ging es in dem Projekt darum, das Bewusstsein der Piloten für Risiken zu schärfen. Zu diesem Zweck wurde Erfahrungswissen über sogenannte „Beinahe Unfälle“ als Geschichte auf einer Web-Site kommuniziert und mit einem Ratschlag für vergleichbare Fälle versehen. Dieses Erfahrungswissen wirkt sich in kritischen Situationen günstig auf die Kommunikation zwischen Piloten und Tower-Personal aus und hilft mit, den Flugbetrieb sicherer zu machen.
Unter dem Motto: „Was kümmert mich der Ölpreis?“ werden für Autohersteller Audi Interviews durchgeführt, um zu erfahren, welche Aspekte beim Kauf eines neuen Pkw entscheidend sind. Von großem Interesse ist dabei die Bedeutung der Aspekte „Energie-Effizienz“ und „Ökologie“. Solange diese Aspekte jedoch noch nicht visuell erlebt werden, spielen sie im Segment der Premium-Marke anscheinend eine untergeordnete Rolle.
Für den „Terra Activ“ Reiniger von Henkel übten sich die Studenten in der Entwicklung eines Marketingkonzeptes. Das Besondere: Die Top-Leistung eines Reinigers und Umweltverträglichkeit lassen sich vereinen. Dafür kreierten die Studenten den Slogan: „Kraft und Natur in neuer Qualität“.
In einem Praxisprojekt für Vivento Customer Services analysierten die Studenten den Markt für ein Digitalisierungs-Produkt und entwickelten Vorstellungen über Produktdesign und die produktspezifische Kommunikation. Die Ergebnisse wurden den Betreuern, zu denen auch Vertreter des Unternehmens gehörten, präsentiert.
Auch das Thema „Guerilla-Marketing“ wird im Rahmen einer Bachelorarbeit behandelt. Dazu werden die Aspekte: Viral im Internet, Ambient, Sensation und Ambush näher untersucht. Zudem ist in 2009 eine Befragung geplant, bei der die näheren Umstände für Guerilla-Marketing in Unternehmen untersucht werden.
Während der Veranstaltung kam es immer wieder zu lebhaften Diskussionen mit den interessierten Gästen, die trotz winterlicher Wetter- und Straßenverhältnisse gekommen waren. Beispielsweise wurde erörtert, ob die Erkenntnisse für die Premium-Marke Audi auch repräsentativ für andere Auto-Marken sind. Kontroverse Ansichten gab es auch zur Wirksamkeit von Guerilla-Marketing-Aktionen, weil dies zunehmend mehr Unternehmen praktizieren. Alles in allem ein lohnender Abend für die knapp zwanzig Gäste.












