Interview: Elfenbeinturm meets Werkstor!

von Ralf Kosub

MarketingGuerilla: Im Rahmen der MarketingGuerilla-Veranstaltung am 09.12.2008 werden Sie zum Thema "Elfenbeinturm meets Werkstor!" referieren. Die Frage, die sich eigentlich sofort stellt ist: Wie steht es eigentlich um die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft bzw. den Unternehmen?

Prof. Dr. Annette Kluge: Die ist sehr sporadisch und basiert in erster Linie auf persönlichen Kontakten. Die Unternehmen wollen zwar immer gerne mehr praktische Ausbildung an den Unis, sind aber eher selbst bereit sich vor Ort auch einzubringen … Stichwort: "Opportunitätskosten" und "Das muss für uns dann auch was bringen". Wir selber machen derzeit sehr gute Erfahrungen mit Henkel, Düsseldorf, der Audi AG, Ingolstadt, BP in Gelsenkirchen , RWE in Essen, der Vivento Customer Service, Bonn oder Bayer CropScience, Leverkusen. In den technischen Fächern gibt es meistens in der Forschung Kooperationen, aber weniger in der Lehre.

MarketingGuerilla: Gibt es Vorbehalte von Seiten der Unternehmen für eine Zusammenarbeit? Oder gar von Seiten der Hochschulen?

Prof. Dr. Annette Kluge: Die Vorbehalte sind vor allem die zeitliche Ressourcen und dass man das dann "intern ja auch verkaufen" müsse. Jeder hat so unglaublich viel zu tun, dass die Zeit fehlt für die Mitgestaltung von Veranstaltungen oder Seminaren. Auf der anderen Seite ist, seit der "War for Talents" ausgebrochen ist, ein deutlich gestiegendes Interesse festzustellen, weil jede Vorlesung oder Seminar auch eine Art "Recruiting Veranstaltung" ist.

MarketingGuerilla: Welche Vorteile liegen in der Zusammenarbeit von Unternehmen mit den Hochschulen?

Prof. Dr. Annette Kluge: Die Studierenden können sich besser vorstellen, wofür sie etwas lernen und wie man das dann in Unternehmen einbringen kann. Und so können sich die Studierenden besser frühzeitig in den Bedarf der Unternehmen eindenken. Auf der anderen Seite können die Unternehmen von den jungen Leuten in den Universitäten selber lernen, und sich auf den neuesten Stand bringen. Viele sehen die Arbeit mit uns z.B. als persönliche Bereicherung und entwickeln sich auch selber intellektuell weiter, in dem wir sie in unsere Projekte integrieren und unser Wissen mit ihnen teilen.

MarketingGuerilla: Wie stellt sich eine Zusammenarbeit dar? Welche Möglichkeiten gibt es hier?

Prof. Dr. Annette Kluge: Es gibt die Möglichkeit Seminare anzubieten, meistens machen wir das mit den Unternehmen im Blockform. D.h. z.B. für 3 Tage hintereinander, so dass man nicht jede Woche fuer 2 Stunden anreisen muss. Die Marktforschung von Henkel macht mit unseren Studierenden z.B. Workshops zu Consumer Insights und Trendforschung. Auch bieten wir z.B. Forschungs- und Praxisprojekte mit Unternehmen an. Zudem können die Unternehmen Themen für Bachelorarbeiten oder für Masterarbeiten über die Fachgebiete ausschreiben und diese dann kompetent betreuen lassen. Es gibt ebenso Forschungsprojekte, für die die Unternehmen Gelder an die Unis geben, damit zu einem speziellen Thema geforscht werden kann. Ganz neue Formen sind derzeit gesponsorte oder gestiftete Lehrstühle oder ganze Institute, die dann für einen gewisse Zeit oder auch ohne zeitliche Befristung unterstützt oder komplett bezahlt werden. So gibt es z.B. von EON gesponsorte Lehrstühle an der RWTH, ein von der Deutschen Post gesponsortes Institut in Bonn oder ein Informatik-Institut in Potsdam was von Hasso Plattner gestiftet wurde.

MarketingGuerilla: Was ist der einfachste Weg der Kontaktaufnahme für einen Interessenten? Wie sollte er vorgehen?

Das kommt auf die Anfrage an. Wenn man Kontakte zu bestimmten Fachgebieten oder Lehrstühlen aufbauen will, dann tritt man am besten direkt an die ProfessorInnen heran, oder an die DekanInnen. Für Stiftungsprofessuren im grossen Stil ist dann eher das Rektorat zuständig. Aber letztendlich läuft auch hier alles über eine gute Beziehung zwischen Menschen, d.h. meistens lernen sich ProfessorInnen und UnternehmensvertreterInnen irgendwo kennen und entwickeln dann gemeinsam eine gute Idee, die dann durch die Verwaltung gebracht wird. Ohne, dass zwei wirklich mit einander arbeiten wollen und Spass an einem gemeinsamen Forschungs- oder Lehrthema haben, geht es nicht.

MarketingGuerilla: Vielen Dank für das informative Gespräch. Wir freuen uns auf Deinen Vortrag am 09.12.2008.

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Der Beitrag wurde am 8. Dezember 2008 um 07:30 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Interviews gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.