Produkte leben länger: Der Trend zum rotierenden Besitz

von Ralf Kosub

Soziologen der Goethe-Universität starten gemeinsam mit dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (Berlin) und dem Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit (Berlin) ein Projekt zur Konsumentenforschung: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen herausfinden, inwiefern der Trend zum rotierenden Besitz bei Gebrauchsgütern, etwa von Möbeln, Jeans und Kameras, einen umweltfreundlichen, nachhaltigen Konsum ermöglicht.

Das auf zweieinhalb Jahre angelegte Forschungsprojekt zur Wiederverkaufs-Gesellschaft wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. Projektpartner ist der weltweite Online-Marktplatz eBay.

Die langjährige Erfahrung des Unternehmens im Handel mit gebrauchten Gütern soll in das Vorhaben einfließen. Elektronische Märkte ermöglichen nicht nur, die Anzahl der Marktteilnehmern dramatisch zu vergrößern, sie verändern auch die herkömmliche Rollenaufteilung zwischen Konsumenten und Produzenten.

Nutzer treten nicht nur als Käufer auf, sondern gleichzeitig auch als Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen. Der Konsument (“Con-sumer”) nimmt somit eine aktivere Rolle ein und übernimmt auch klassische Aufgaben des Produzenten (“Pro-ducer”) – er wird zum ‘Prosumer’.

Dazu die Frankfurter Projektleiterin Prof. Birgit Blättel-Mink, die sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt: “Dies birgt Chancen für einen nachhaltigen Konsum, indem sich die Einstellungen zum Güterbesitz verändern: Weg vom Anhäufen von Produkten und Waren hin zu einer ‘Auktionskultur’, die durch temporären Besitz und Wiederverkauf gekennzeichnet ist. Das Vermarkten gebrauchter Güter im Internet hat zur Folge, dass Produkte länger genutzt und zusätzliche Umweltbelastungen durch Neukäufe vermieden werden können.”

Der gesellschaftliche Trend zum rotierenden Besitz zeichnet sich immer deutlicher ab. Im Unterschied zu früheren Generationen wird der Besitz von Einrichtungsgegenständen, Büchern oder Kleidungsstücken häufig nicht mehr als dauerhaft angesehen, sondern von vornherein als zeitlich begrenzt. Inwieweit kurbelt diese Einstellung Online-Märkte an, sodass sie zu einem nachhaltigeren Umgang mit Produkten beiträgt? Neben dieser Frage soll auch untersucht werden, ob und inwieweit dieser Trend gegenläufige Tendenzen hervorbringt, indem er generell zum vermehrten und schnelllebigen Konsum beiträgt.

Im Herbst 2008 starten die Wissenschaftler hierzu eine breit angelegte Befragung zum Nutzungsverhalten von privaten eBay-Käufern und -Verkäufern. Mit Hilfe der so gewonnenen Erkenntnisse wollen die Wissenschaftler langfristige Innovationsstrategien zum nachhaltigen Konsum entwickeln. Erste Zwischenergebnisse werden Anfang 2009, ein Abschlußbericht 2010 erwartet. Im Kontext dieses Projektes ist am 26./27. März 2009 in Frankfurt eine internationale Tagung zum Thema “Prosumer Revisited” geplant.

Weitere Informationen:
www.izt.de
www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/bbm2

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 03.09.2008

Merken & Weitersagen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • TwitThis
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • del.icio.us
  • Webnews
  • Digg
  • Reddit
  • Facebook
  • MySpace
  • Technorati
  • Tausendreporter
  • Print

Ein Kommentar

  1. Ich bin erfreut von der Idee, dass mehrere Leute nacheinander langlebige Gebrauchsgüter verwenden. Damit wird die Wegwerfmentalität positiv beeinflusst und zugleich ein konstruktiver Beitrag zu mehr Umweltschutz geleistet. Allerdings erfordert die Mehrfachverwendung von Gebrauchsgütern auch ein gewisses Umdenken bei Herstellern und Nutzern. Hierfür sind qualitativ hochwertige Produkte mit einer entsprechend langen Lebensdauer notwendig. Zudem müssen diese Dinge des täglichen Lebens wieder reparierbar sein. Dies kann ich mir z.B. bei Möbeln gut vorstellen. Die Nutzer die sich so ein Produkt anschaffen, werden dann etwas mehr Geld als für irgendwelche billige und minderwertige Ware ausgeben. Der längere Gerbrauch und evtl. Erlöse aus einem Weiterverkauf gleichen den höheren Preis dann allerdings wieder aus.

    am 27. 09. 2008 um 14:41 Uhr von Winfried Braun

Kommentar schreiben

Der Beitrag wurde am 27. September 2008 um 10:14 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Studien & Umfragen gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.