Buchtipp: Handwerk

von Ralf Kosub

Eine fulminante Kulturgeschichte unseres Verhältnisses zur materiellen Welt – ein ebenso überraschendes wie notwendiges Plädoyer, sich wieder auf die Welt der Dinge und der Arbeit einzulassen.

Wenn Richard Sennett, einer der herausragenden Soziologen und Kulturphilosophen der Gegenwart, von Handwerk oder handwerklichem Können spricht, so meint er mehr als nur technische Praxis. Er beschreibt damit einen fundamentalen menschlichen Impuls, das Bestreben, eine Tätigkeit um ihrer selbst willen gut zu machen. Auch ein Arzt, Erzieher, Künstler oder Linux-Programmierer kann – und sollte – “sein Handwerk verstehen”.

Indem er aus seinem stupenden interdisziplinären Wissen schöpft, zeigt Sennett auf, dass die Geschichte, insbesondere die Geistesgeschichte, eine markante Trennlinie zwischen Praxis und Theorie, Technik und Ausdruck, Macher und Nutzer gezogen hat. Unsere heutige Gesellschaft leidet noch immer unter diesem historischen Erbe, denn bei allem offenkundigen Materialismus haben wir paradoxerweise häufig ein gespaltenes Verhältnis zu den realen materiellen Dingen um uns herum. Die Frage, ob und wie wir uns dieser materiellen Wirklichkeit stellen wollen, besitzt für Sennett jedenfalls eine entscheidende ethische Relevanz.

Richard Sennetts neues Buch ist eine fulminante und breit angelegte Kulturgeschichte, die anhand zahlreicher Beispiele – von der Werkstatt eines Antonio Stradivari bis zu den Forschungslabors moderner Wirtschaftskonzerne – unser Verhältnis zur Außenwelt klug und kritisch durchleuchtet. Handwerk ist ein eindrückliches Plädoyer dafür, sich wieder auf die Welt der Dinge einzulassen.

Handwerk
Richard Sennett
Berlin Verlag
ISBN 978-3-8270-0033-0

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2 Kommentare

  1. “das Bestreben, eine Tätigkeit um ihrer selbst willen gut zu machen”
    so werden super gerne Tastaturen geputzt, Mülleimer entleert und Kafeetassen in die Spülmaschinen eingeräumt:-).
    Schon oft gesehen:-)))))

    Nun mal in unserer Gesellschaft ist jeder Tätigkeit ein Wert eingeräumt. eine Putzfrau, die gerne Toiletten putzt wird zwar gerne gesehen aber nicht verstanden:-).

    Das Buch ist klasse, zeigt letzendlich warum einige Menschen Tätigkeiten ausführen, die keinen materielen Gegenwert haben, wie mittelalterliche Kirchenbauer, die die Ecken, und Winkel ,die niemals von Besucher gesehen werden konnten, mit Figuren und Ornamenten bestück haben.
    Heutzutage wird alles nur für Zuschauer gestaltet und gemacht, die Ecken dagegen bleiben leer.

    Beste Grüße
    Anna

  2. Nur Info:
    ( passt zu den stundenlangen Vorträgen, die ich oft anhören mußte:-). Gähn:-).

    So ist es mit den Kopfmenschen:-), die stundenweise Mist labern , Statistiken erstellen, Tabellen aufbauen und nicht verstehen, dass das Endergebnis von Anfang an klar ist.

    Anbei entsprechendes link:
    http://www.welt.de/wissenschaft/psychologie/article2416185/Bauchgefuehl-siegt-ueber-Berechnung.html

    Mit Besten Grüßen
    Anna


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Der Beitrag wurde am 2. September 2008 um 20:33 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Literaturtipp gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.