Wenn Mythen verwässern: Coca-Colas Traum von Vielfalt
von Liesel Pusacker
Seit im Jahre 1886 in einer Soda-Bar in Atlanta/Georgia das erste Glas Coca-Cola ausgeschenkt wurde, ist viel braune Flüssigkeit die durstigen Kehlen heruntergeflossen. Zunächst war es der Apotheker John Styth Pemberton, der mit einem neuartigen Sirup an die Öffentlichkeit trat: Ein Teelöffel des von ihm entwickelten Sirups wurde mit einem Glas eiskalten Quellwassers gemischt.
Nachträglich betrachtet war der Erfolg vorprogrammiert: Aus verschiedensten konkurrierenden Getränken stach Pembertons Coca-Cola heraus, die wegen seiner medizinischen Wirkung und auch der wohlschmeckenden Limonade immer häufiger konsumiert wurde. 1895 zum Beispiel wurde Coca-Cola bereits in sämtlichen Staaten der USA verkauft, zum Preis von 5 Cent pro Glas. Bald entwickelte sich Coca-Cola zum amerikanischen Nationalgetränk, das inzwischen in mehr als 200 Ländern weltweit getrunken wird. Sehr stark verkürzt könnte die Ursprungsgeschichte der bekanntesten Marke der Welt in etwa so gehen…
Und heute: Heute gibt es nicht mehr einfach nur Coca-Cola. Es gibt Vielfalt PUR, diese wird laut dem aktuellen Werbeslogan des Hause gelebt („Lebe die Vielfalt“) und folgt offensichtlich dem differenzierten Geschacksempfinden der unterschiedlichsten Konsumentenschichten: Neben Coca-Cola, Coca-Cola-Light, Zero, Light Plus Green Tea, Light Plus Lemon C, Cherry, Vanilla Coke gibt es noch mezzo mix, mezzo mix zero, burn – alles aus dem Hause Coca-Cola. Die Vielfalt PUR ist für viele vielleicht ein Segen, für andere bedeutet es die Qual der Wahl. Gerade bei der kalorienbewussten Er“trinkung“ hat sich Coca-Cola besonders viel Mühe gegeben, für jeden das ultimativ richtige Getränk zu finden. Der Marketingguerilla-Produkttest geht speziell der Frage nach: Wissen die Konsumenten der diätetischen Coca-Cola-Produkte überhaupt, was sie da trinken und sind Zusammenhänge zu Alter, Geschlecht und Lebensgewohnheiten nachweisbar…..
Marketingguerilla-Produkttest
von Liesel Pusacker
Coca-Cola-light versus Zero
Seit 25 Jahren bereits erobert Cola-Light die Kehlen figurbewusster Menschen; vor zwei Jahren gesellte sich Coca-Cola-Zero hinzu – als die noch leichtere, noch mehr kalorienreduzierte und zuckerfreie Variante. Viele Zeitgenossen beschreiben, danach gefragt, leichte Geschmacksunterschiede zwischen beiden Getränken und bekennen sich schnell und eindeutig als Light- oder die Zero-Trinker. Der Autorin selbst ist durch teilnehmende Beobachtung schon länger aufgefallen, dass Männer häufiger Zero wählten, während Frauen sich öfters für die Light-Variante entschieden. Aber, was ist wirklich daran? Erkennen Testpersonen die Getränke überhaupt, zum Beispiel in einer Blindverkostung? Wie beurteilen sie den Geschmack, ohne zu wissen, was sie da gerade trinken? Und gibt es überdies einen Zusammenhang zu Alter, Geschlecht und kommunizierten Lebensgewohnheiten? Diesen Fragen ging die Autorin in folgendem Produkttest nach:
Zehn Personen, sechs Männer und vier Frauen, tranken je ein Glas kalorienreduzierter Coca-Cola. Sie wussten nicht, ob es sich um die Light- oder Zero-Variante handelte (Aufteilung: 5 Getränke jeweils Light oder Zero).
Auffälliges Resultat: Nur drei von zehn Personen (zwei Männer, eine Frau) konnten ihr Getränk überhaupt richtig identifizieren. Sieben von zehn Testpersonen waren also der Meinung, sie hätten das jeweilig andere Produkt getrunken.
Nun zur Geschmacksbewertung: Coca-Cola-Light erhielt von den Probanden Attribute wie süß, künstlich, gesund, Erwachsenengetränk, intensiv oder modrig. Eine eindeutige Attribuierung war hier also nicht auszumachen. Auch die Ergebnisse des „Gaumentests“ – einer Weinprobe abgeschaut – schwankte zwischen süffig und herb, künstlich, süß, fruchtig.
Bei Coca-Cola-Zero das gleiche Bild: Als Eigenschaften wurden hier süß, aufgesprudelt, „cocacolig“, wenig Kohlensäurehaltig, prickelnd, fruchtig, künstlich, unharmonisch, abgestanden….angegeben. Und auch dieses coffeinhaltige Coca-Cola-Getränk lag süß, fruchtig und künstlich am Gaumen.
Bliebe noch die Frage nach irgendeiner Korrelation, z. B. mit dem Alter und den angegebenen Lebensgewohnheiten zu klären. Aber auch hier machte sich bei der Autorin die ernüchternde Erkenntnis breit: Kein Zusammenhang ist auszumachen. Ob „Cola-Ricard-Trinker“, „Öfters Cola-Trinker“ oder „Holzbehauer“ – jeder Cola-Trinker empfindet und beschreibt sein Getränk anders, auf seine individuelle Art.
Fazit: Jeder Cola-Trinker ist anders. Jedem sein Getränk. So gesehen macht die von Coca-Cola propagierte Vielfalt schon wieder Sinn. Oder, um es mit den Worten einer Probandin auszudrücken „ Ich trinke lieber echte Cola.“











