Fusionen und Übernahmen geraten ins Stocken
von Ralf KosubExperte befürchtet steigenden Wertverlust und Verschuldungsgrad
Die Zahl der Fusionen und Übernahmen wird sich angesichts der Weltwirtschaftslage in der zweiten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres weiter drastisch reduzieren. Wie eine aktuelle Erhebung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG ergab, sind sinkende M&A-Aktivitäten bereits seit Anfang 2008 zu verzeichnen. "Vor allem die von den USA ausgehende Finanzkrise sowie die immens gestiegenen Öl- und Rohstoffpreise belasten branchenübergreifend sämtliche Unternehmen. Der sich nun abzeichnende M&A-Rückgang lässt sich vor diesem Hintergrund erklären. Neben den Bewertungen wird somit auch die Finanzierbarkeit von unternehmensbezogenen Transaktionen weiter nachlassen", meint Gottwald Kranebitter, Geschäftsführer der KPMG, im pressetext-Interview.
Dem Global M&A Predictor nach sind von Januar bis Mai global knapp 16.000 Käufe sowie Verkäufe von Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von rund 1.400 Mrd. Dollar getätigt worden. In der zweiten Hälfte 2007 waren es mit nicht ganz 20.000 Transaktionen in einer Gesamthöhe von etwa 2.200 Mrd. Dollar hingegen noch deutlich mehr. "Unseren Analysen nach wird geschätzt, dass viele Unternehmen aufgrund der internationalen Unsicherheiten auf den Finanzmärkten in den kommenden zwölf Monaten nicht nur weniger Wert sein werden. Auch der Verschuldungsgrad wird in einem erheblichem Ausmaß zunehmen", unterstreicht Kranebitter auf Nachfrage von pressetext.
Vor dem Hintergrund der prognostizierten Daten spricht der Experte sogar davon, dass "ein Einbruch am M&A-Markt für die kommenden Monate mehr als wahrscheinlich ist". Dieser Absturz wird sich jedoch nicht nur in einigen Geschäftsnischen abzeichnen, sondern in sämtlichen Sektoren und Regionen niederschlagen. Bis auf Lateinamerika werden die größten Bewertungsrückgange für Afrika und den Nahen Osten erwartet. Der zweitgrößte Rückgang betrifft Europa und Nordeuropa. Parallel dazu scheinen sich auch die Bilanzstrukturen zu verändern. Schließlich steigt das prognostizierte Verhältnis der Nettoverschuldung zum EBITDA weltweit gesehen von 0,8 auf 0,9 Prozent an. Die erwartete Verknappung der Finanzierungskapazität deutet im Zusammenhang mit den fallenden Bewertungen darauf hin, dass eine weltweite Abschwächung der M&A-Trends mehr als wahrscheinlich ist.
"Die europäische Transaktionsaktivität ist definitiv abgeflaut, das zukunftsgerichtete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist um 12,4 Prozent gesunken", fügt Kranebitter hinzu. Europa besitze jedoch noch das Potenzial für Megadeals, die das durchschnittliche Transaktionsvolumen nach oben revidieren könnten. Dem Predictor nach ergab sich auch für Österreich ein Rückgang des zukunftsgerichteten KGVs quer durch alle Sektoren. Hierbei wiesen vor allem Telekommunikations-, Industrie- und nicht zuletzt Versorgungsunternehmen die größte Verschlechterung auf. Dahinter folgen die Sektoren Konsumgüter, Dienstleistungen, Technologie und Gesundheitswesen. "Trotz dieser Prognose zeigt sich der österreichische M&A-Markt im Vergleich zu anderen Regionen noch immer einigermaßen robust", so Kranebitter abschließend.
Quelle: pressetext.deutschland, 17.07.2008











