Mister Magnetik – dem Produktversprechen auf der Spur …

von Ralf Kosub


Wenn Otto Normalverbraucher durch die Regalreihen bundesdeutscher Super- und Drogeriemärkte wandelt,  stößt er seit geraumer Zeit auf ein Produkt mit einem Versprechen der besonderen Art: Die Metamorphose in Mister Magnetik!

Im übertragenden Sinne sozusagen die Metamorphose von Otto Normalverbraucher aus Oer-Erkenschwick in George Clooney aus Hollywood. Und dies alles ohne chirurgisches Komplettprogramm oder schweißtreibende Sportprogramme. Alles völlig unkompliziert: Man investiere rund 5 Euro in den Kauf eines Haargels, investiere anschließend 2 bis 3 Minuten Zeit vor dem Badezimmerspiegel und fertig ist er: Mister Magnetik – das „Alphatier“, der Held unter den deutschen Diskokugeln. Ein Produkt, das jedem Schönheitschirurgen das Wasser in die Augen treiben dürfte – sofern es  sich nicht um einen gigantischen Scherz eines Produktmanagers handelt. Die MarketingGuerilla stellte sich dem Selbstversuch …

Guerillero bei den Vorbereitungen zum Produkttest

Sodann wurde eine kostbare Mittagspause auf dem Altar der Forschung geopfert, eine Tube Haargel gekauft und Freiwillige zwangsverpflichtet. Unter dem wachsamen Auge des Forschungsleiters wurde das Gel entsprechend der Gebrauchsanweisung „großzügig“ in die wallenden Haare der Probanden befördert. Nicht wissend was auf sie zukommt, ging es für die Probanden anschließend in die heiße Phase des Tests: Durch die mit flanierenden Hausfrauen gepflasterten Bonn-Bad Godesberger Fußgängerzone, direkt zu einer mit drei Verkäuferinnen besetzten Bäckerei-Filiale und anschließend in eine mit rund 20 speisenden Rentnerinnen belegte Nordsee-Filiale.

In Erwartung, die magnetische Wirkung des Haargels könnte sich jeden Moment entfalten und für tumultartige Szenen sorgen, begaben sich unsere Probanden auf den festgelegten Weg – immer ganz dicht an der definierten Zielgruppe entlang. Während die ersten 100 Meter der Strecke noch von einer gewissen Unsicherheit der Probanden geprägt war, ob man diesen Feldversuch, angesichts des verlockenden Produktversprechens, überhaupt heilen Hauptes überleben würde und manch einer schon intensiv nach Worten rang, wie er das alles, was da passieren würde, seiner Frau oder Freundin erklären könnte,  lockerte sich die Stimmung mit jedem weiteren Meter.

Der Tross der Probanden schritt relativ aufrecht gegelten Hauptes durch die voll besetzte Fußgängerzone in Richtung Bäckerei. Am Etappenziel angekommen war von der magnetischen Wirkung auf die Frauenwelt noch nichts zu erkennen.  Guten Mutes ging es für unsere Probanden anschließend in die Bäckerei. Doch auch auf dieser Teststrecke konnte keinerlei Wirkung der sorgsam gegelten Köpfe festgestellt werden. Angesichts des nun bevorstehenden letzten Testabschnitts, kam nun unter den Probanden eine gewisse Anspannung auf. Denn nun ging es in die Höhle des Löwen … eine vollbesetzte Nordsee-Filiale.

Die Fragen: Wie würden ca. 20 rüstige Damen aus der Zielgruppe 70+ auf eine plötzlich einsetzende Kontaminierung  ihres Umfelds mit dem Lockstoff Pheromon reagieren? Würde die mit Pheromonen geschwängerte Luft die Nordsee-Filiale in einen Hexenkessel verwandeln? Angesichts des auf der Produktverpackung abgedruckten Versprechens „Das Styling Gel  … lockt die Ladys auf deine Fährte.“ und dem unübersehbaren Warnhinweis „Benutzung auf eigene Gefahr …!“ stellte sich der eine oder andere Proband sicherlich noch einmal die ganz persönliche Frage, wie hoch die individuelle Pheromon-Konzentration ist, die er da in seinen Haaren trägt.

Unter den wachsamen Augen des Forschungsleiters bezogen die Probanden Stellung. Mit der großzügigen Dosis des Lockstoffs im Haar und einem Fisch in der Hand ging es in lockerer Formation an die Tische. Jeder Blick und jede Reaktion aus der Zielgruppe wurde auf die Goldwaage gelegt, jedoch blieb auch hier die magnetische Wirkung aus. Der MarketingGuerilla-Produkttest wurde damit für beendet erklärt. Das abschließende und übereinstimmende Ergebnis: Es konnte keinerlei magnetische Wirkung der Probanden festgestellt werden.

Angesichts des Ergebnisses, stellen sich natürlich nun die Fragen nach den Schwachstellen im Testverlauf: Waren eventuell zu wenig Pheromone in der Tube? War der Wind an diesem Tag vielleicht zu stark? Gab es möglicherweise zum Testzeitpunkt ein weiteres und noch stärkeres „Alphatier“ in der Bäckerei? Werden Pheromone in Kombination mit den Gargerüchen einer Fischküche wirkungslos? Oder lag es ganz einfach an den Probanden selbst? Wir sagen mal ganz einfach nein.

Auch wenn „got2b“ das aufmerksamkeitsstarke und im Vordergrund stehende Versprechen – zumindest in unserem Test – nicht einhalten konnte, so bleibt dem Käufer auf jeden Fall der Basisnutzen als Styling Gel. Dieses Resümee wird zwangsläufig hier und da die Träume von 14-jährigen Zahnklammer tragenden und von jugendlicher Akne gezeichneten Teenies  zum Platzen bringen und ihnen nicht unbedingt weiterhelfen, aber auch sie werden im Laufe ihres Lebens darüber hinweg kommen. Aus unserer Sicht jedoch – trotz des kleinen Mangels – eine interessante und gelungene zielgruppenadäquate Produktvermarktung aus dem Hause Schwarzkopf.

Übrigens, sollte der Test bei dem einem oder anderem Leser nun doch irgendwie zum Erfolg geführt haben, so hat er noch Zeit sich bei dem „got2b“-Contest um den Titel „Mister Magnetik“ zu bewerben. Alles weitere dazu und natürlich zum eigentlichen Produkt unter http://www.casino.got2b.de/

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8 Kommentare

  1. Es lag vielleicht an der Tatsache, dass die Vorführenden den Test in der Karnavalshochburg unternommen haben :-) .
    Zudem um Aufmerksamkeit zu erregen reicht es nicht aus nur ein Produkt zu benutzen:-), es muss doch dabei ein effizienteres Mittel geben, wie die Guerila-Marketing Fachleute und Freunde wissen.
    Wie wäre es mit Musik und farbig ansprechender Kleidung, geschweige denn mit Klasse Vorführobjekt, wie ein junger grossgewachsener blonder Mann mit wunderbaren blauen Augen……..
    Es hilft immer:-).
    Sex sells, nie gehört:-)))

    Noch was, die Fotos konnte in Flashabfolge gezeigt werden ansonsten ist es wie Bilder einer verwelkten Leidenschaft:-)))

    Grüße
    Anna

  2. Also, die Probanden haben mir vor Beginn des Tests glaubhaft versichert, dass sie an diesem Tag ihre beste Garnitur angelegt haben, der Testetoron-Haushalt sich auf dem Jahreshöchststand befindet und auch alles andere soweit in Ordnung ist. Das Anlegen von Schummelschuhen, blauen Kontaktlinsen und das Blondieren der Haare wäre vielleicht etwas zu viel des Guten gewesen … wir haben uns voll und ganz auf die vollmundigen Versprechungen der Werbung bzw. auf die Pheromone verlassen … Beste Grüße, Ralf

    am 26. 06. 2008 um 14:57 Uhr von Ralf Kosub
  3. Ich finde nur lustig, dass es noch wegen Pheromone überhaupt irgendwelche Zweifel bestehen können:-). Es gibt bereits mehrere Untersuchungen, die es belegen, dass derartige Produkte nur Fake sind.
    Ansonsten wären längst alle “unvermitelbaren Persönlichkeiten” mit Pheromonen besprüht, geschmiert oder sogar hätten sie diese getrunken:-) um in Begleitung zu sein:-))))))))))))))))).

    Ich denke, dass interessanter ist die Idee des Guerilla-Marketing in wirklichen Leben durchzusetzen. Es gibt viele sinvolle Ideen oder Produkte, die Unterstützung der Profis gerne gehabt hätten:
    -start up´s, die zwar gute Produkte oder Ideen haben, aber es fehlt Ihnen Geld für Marketing
    -Menschen, die Spenden für ihre sinnvolle Organisationen brauchen
    -Produkte, die interessant sind
    -Ideen, die begeistern können

    Ich weiß, dass nur angewendetes Wissen dient,
    ansonsten befindet sich dieses nur in dem Archiv:-).

    Warum nicht die Spalte : durchgeführte Guerillamarketing Aktionen einführen?
    anstatt nur konzeptuell zu arbeiten, was zwar nicht schlecht ist, aber ……..irgendwie langweilig:-).

    Da ich überzeugt bin, dass ihr kompetent es Verein sei, warum agiert ihr einfach nicht, anstatt Wissen zu sammeln ????????????

    Ich persönlich mag immer meine Ideen in wirklichen Leben ausprobieren und durchsetzen. Es macht einfach Spass.

    Grüße
    Anna

  4. Die Untersuchungen zum Wirk- bzw. Lockstoff Pheromon sind mir leider nicht bekannt. Ich denke aber auch, dass im Falle einer echten Wirkung, das Statistische Bundesamt sicherlich eine Pheromon-Statistik verfügbar hätte, in der alle Kandidaten erfaßt wären, die es mit der Dosierung nicht so genau genommen oder es mal wieder ganz bewußt übertrieben haben …

    Zu Deinen Anregungen. Zunächst vielen Dank dafür. Ob wir diese so wie vorgeschlagen im Internet umsetzen können, muss man mal sehen, da wir auch vieles in unseren MarketingGuerilla-Veranstaltungen aufgreifen. So befasste sich eine unserer letzten Veranstaltungen mit dem angesprochenen Thema: “Marketing für kleines Geld”.

    Beste Grüße
    Ralf

    am 29. 06. 2008 um 15:46 Uhr von Ralf Kosub
  5. Es geht darum, dass beim Test ein Versuch unternommen wurde, ob ein Produkt gewünschte Wirkung hat. Ich hoffe, dass es euch von Anfang an klar war, dass derartige Produkte einfach nur UNSINN sind. Zumindestens habe ich es angenommen, falls nicht, dann es war für euch tatsächlich ein sinnvolles Unterfangen:-).

    Im Hinblick auf Guerilla – Marketing Verein:

    Die Idee ist: gut, allerdings zu theoretisch. Wissen, dass nicht praktisch angewendet wurde, bringt nun mal nicht die gewünschte Wirkung.
    Ich erinnere mich auf die Strategiespiele ( im Rahmen Weiterbildungsprogramms), die ich mit Leuten aus verschieden Bereichen mitmachen konnte. Diese haben mir gezeigt, dass ich mich in meinen Entscheidungen mich auf Intuition verlassen konnte und so hat meine Gruppe mit mir guten Platz belegt . Sogar mit unangenehem, ziemlich gerissenen Mitspielern haben wir Nase vorne gehabt. Hätte ich Vortrag gehört, wie wichtig Strategie spiele sind und wie sie funktionieren, hätte es nicht so viel Spass gemacht.

    Nun mal zum Thema: Querilla Marketing ist nicht an bestimmtes Medium gebunden, es kann auch Internet benutzt werden. Es wird euch bestimmt mehr Spass machen, wie sitzen und passiv zuhören.

    Ich persönlich suche immer für die Vorträge Leute, die erfolreich in ihren Jobs sind und praktische Beispiele zeigen und vor allem mich mitmachen lassen:-).
    Was kostet euch: paar Tische zu organisieren, Gruppen per Auslosung bilden und zum Thema : “Marketing für kleines Geld” eine Übung durchführen.
    Dafür nimmt man 30 Minuten Zeit.

    Ich weiß, der bequemere Rahmen setzt vor:
    ein Redner ( möglichst bekannt ) Beamer, Saft und paar Häppchen:-).
    Sorry, aber es erinnert mich an Jour-Fix T-Treffen:-).

    Beste Grüße
    Anna

  6. Eigentlich am Thema vorbei, aber nutzlich auch im Marketing-Guerilla Bereich:
    http://www.welt.de/webwelt/article2161466/Handys_machen_Datenklau_zum_Kinderspiel.html

    Grüße
    Anna

  7. Vorschlag für die sinnvolle Tests, ähnlich wie Pheromone:-):

    Amerikanisches Abnehmprodukt sorgt für absoluten Durchbruch
    Das Produkt TRIMGEL, ein Abnehmgel, das auf unter anderem der vielbesprochenen südafrikanischen Kaktusart Hoodia gordonii und dem derzeit absoluten Abmagerungshype aus Amerika Geraniumöl basiert, sorgt dafür, dass Fettansammlungen unter der Haut wie Schnee vor der Sonne verschwinden!

    :-) .

    beste Grüße
    Anna

  8. Diese Testreihe wird seit Jahren geführt:-).

    Thema:
    Man ist, was man isst.

    Fette sind mehr als bloße Energieträger. Über die enthaltenen Fettsäuren nehmen sie unter anderem erheblichen Einfluss auf das Immunsystem und das Entzündungsgeschehen im Körper. Für die Haut ist dies von erheblicher Bedeutung, konnten neuere Forschungen doch die Hautalterung an unterschwelligen chronischen Entzündungsprozessen im Hautinneren festmachen. Mit den richtigen Fettsäuren kann man solchen entzündlichen Vorgängen vorbeugen und die Haut lange gesund und jung erhalten. Umgekehrt beschleunigen bestimmte entzündungsfördernde Fettsäuren die Hautalterung und schwächen das hauteigene Immunsystem.
    Insbesondere die tierische Arachidonsäure wird, in größeren Mengen genossen, schnell zur Ursache früher Falten. Besonders viel Arachidonsäure enthalten Schweinefleisch, Schweineschmalz, fettes Fleisch und Wurst. Auf diese Lebensmittel sollte man deshalb lieber ganz verzichten und auch die Arachidonsäurezufuhr aus anderen Nahrungsmitteln tierischer Quelle auf 200 Gramm pro Tag begrenzen.
    Doch auch bei den scheinbar ausnahmslos gesunden Pflanzenölen lohnt sich ein Blick auf die enthaltenen Fettsäuren. Denn Omega-6-Fettsäuren wie sie in Sonnenblumen-, Maiskeim- und Distelöl und Margarine zu finden sind, wirken ebenso entzündungs- und faltenfördernd.
    Was die Haut von innen pflegt und jung erhält, sind dagegen die entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren. Unter den Pflanzenölen zeichnen sich vor allem Raps-, Lein- und Walnussöl durch einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren aus. Diese hochwertigen Pflanzenöle sollten in Zukunft einen festen Platz in Ihrer täglichen Ernährung einnehmen. Sie dürfen allerdings nicht stark erhitzt werden, weshalb sich zum Braten eher neutrale Fette wie Olivenöl oder Butter eignen.
    Die beste Quelle für Omega-3-Fettsäuren bilden schließlich fette Fische wie Makrele, Lachs, Hering oder Thunfisch. Solche Fischgerichte sollten zweimal in der Woche auf Ihrem Speiseplan stehen. Vegetarier können ihren Omega-3-Fettsäurebadarf auch über Nahrungsergänzungsmittel decken, sollten diese aber mit 100 mg Vitamin E pro Tag kombinieren.

    no comment
    Anna


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Der Beitrag wurde am 22. Juni 2008 um 12:26 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Produkte & Tests gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.