Puzzle war gestern – Die Welt von morgen braucht vor allem Eines: Kreativarbeiter!

von Liesel Pusacker

„Und sie bewegt sich doch.“ Zum neuen Buch von Imke Keicher mit Kirsten Brühl über die Veränderung der Arbeitswelt.

Standardjobs mit vorhersehbaren Standardkarrieren haben zukünftig ausgedient. Zumindest für die meisten. Das Arbeitsleben befindet sich heute in einer Phase des immer schnelleren, ständigen Wandels. In ihrem neuen Buch beschreiben Imke Keicher und Kirsten Brühl informationsreich und unterhaltsam, was die Qualitäten der Arbeitenden von morgen ausmacht. Vom „Lebensunternehmer“ ist die Rede, der im Kreativen Zeitalter sich selbst und seine Arbeit gestaltet.

Das Kreative Zeitalter, das Keicher und Brühl beschreiben, ist schon längst da. Schleichend hat es seinen Einzug genommen: Der Zwang nach immer mehr Innovationen in immer kürzerer Zeit mit immer größerem Wettbewerb, auch um globale Talente, ist bereits in vollem Gange. Was von vielen als dauernder Veränderungszwang erlebt wird, kann auch als Chance wahrgenommen werden. Wer die Spielregeln und Erfolgsmodelle des neuen Zeitalters erkennt, kann für sich die Vorgehensweisen neu justieren. „ Die Zukunft kommt sowieso – wir haben aber die Wahl, ob wir uns davor fürchten oder … nach eigenen Wegen suchen und unser Leben als Lebensunternehmer in die eigene Hand nehmen,“ so Keicher/Brühl.

Wieso brauchen Unternehmen vor allem Kreativarbeiter? Die Antwort, so die Autorinnen, liefern die komplexen Problemstellungen. Es geht nicht nur um gestalterische Kreativität im engeren Sinne, sondern um kreatives Denken und Handeln in allen Tätigkeitsfeldern, Bereichen und Branchen. Gestern waren viele Aufgaben noch mit Entweder-Oder-Strategien bewältigbar. Zukünftig werden die Herausforderungen vielschichtiger, finden auf allen Ebenen statt. Der Arbeitsalltag eines Betriebsleiters beispielsweise wird bereits heute bestimmt von Problemen mit neuen Mitabeitern, mit der Hauptverwaltung, mit Lieferanten, mit dem globalen Wettbewerb, mit rechtlichen und politischen Vorgaben, etc. – ach ja, und mit der Produktion. Zu Bewältigung all dieser Probleme braucht es kreative Köpfe, die  lösungsorientiert, ergebnisoffen, vernetzt und mutig „komplexe Rätsel“ angehen. Einfache Probleme der Kategorien Puzzle oder Kreuzworträtsel, wie es Keicher/Brühl nennen, gab es gestern.

Patentrezepte für die Arbeit der Zukunft gibt es nicht mehr; jeder Einzelne ist gefragt, seine Talente und seine Wünsche zu erkennen, um sich in einem permanent wandelnden Umfeld zurechtzufinden. Fünf Spielregeln nennen Keicher und Brühl als für das Kreative Zeitalter wesentlich:

Spielregel 1: Uniquability. Einzigartig und Unverwechselbarkeit sind der Garant für zukünftigen Erfolg. Nur wer den Mut hat, seine individuelle Mischung aus Fähigkeiten und Leidenschaften zu entwickeln und am Markt auch anzubieten, nimmt daran teil. Vernunftsentscheidungen wie etwa die viel beschworene Banklehre, „damit man etwas richtiges gelernt hat“, wirken in der Welt von morgen eher nutzlos. Profil ist gefragt.

Spielregel 2: Empathie. In der Arbeitswelt von morgen sind Beziehungen wichtiger denn je zuvor. Austausch und Perspektivenwechsel, kundenzentrierte Sichtweisen helfen den Unternehmen morgen, echte Produkt- und Serviceinnovationen zu entwickeln.

Spielregel 3: Kreativität. Die Glühbirne wurde von Alpha E. Edison erfunden; wer das Web 2.0 erfand, weiß keiner so recht, wahrscheinlich waren es viele. Die Kreativarbeit beschränkt sich weder auf die altbekannten Kreativen Berufe noch auf das Individuum. Die so genannte Kreative Klasse besteht aus Maschinenbauern, IT-Spezialisten, Hochbauingenieuren, Fleischfachverkäuferinnen und aus nahezu allen Berufen in allen Branchen – und aus der Vernetzung der kreativen Potenziale.

Spielregel 4: Spielwiesen für kreatives Handeln schaffen. Die meisten Ideen werden nicht im Büro generiert, sondern beim Einkaufen, beim Wandern u.v.m.. Eine neue Arbeitskultur und -atmosphäre, die die bisherigen Grenzen zwischen Arbeit und Leben fließend macht, bedeutet auch mehr Freiräume für Mitarbeiter.

Spielregel 5: Sein eigener Lebensunternehmer werden. Das Veränderungstempo schafft Unsicherheit und eine planbare Karriere wird kaum mehr möglich sein. Brüche sind normal, und nur der wird sie gut und schnell überwinden, der sich wiederum auf sich selbst und seine Talente zurückführt. Zukünftig wird die Orientierung an sich selbst die Energiequelle sein.

In ihrem Buch zeichnen Keicher und Brühl Chancen auf, in der beweglichen Arbeitswelt von morgen besser zu recht zu kommen und dabei auch noch mit sich selbst übereins zu sein. Was will man mehr?

Imke Keicher mit Kirsten Brühl:
„Sie bewegt sich doch. Neue Chancen und Spielregeln am für die Arbeitswelt von morgen“,
orell füssli Verlag AG, Zürich 2008
Preis 29,80 Euro

Weitere Informationen in der Rubrik “Interview” unter www.MarketingGuerilla.net

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2 Kommentare

  1. Ich finde das Buch klasse.

    Allerdings habe ich so meine Zweifel über die Übernahme derartiger Vorschläge im normalen Betrieb eines großen und bekannten Unternehmens.
    Hier denke ich an gleich angezogene Mitarbeiter, die mit ähnlichen Mänteln und Jacken durch die Tür deines großes Hauses reingehen, im gleich großen Büros sitzen und ihren Alltag mit “sinnvollen” mails erheitern:-).
    Manche mutige schaffen einige Skulpturen zu stellen oder Bilder an die Wand hängen und die Zeit, die Zeit plätschert nur so dahin……………
    Die Kinder werden größer, Bäuche auch:-), die ersten Müdigkeitserscheinungen kommen, die Kreativität geht auf leisen Sohlen hinaus.

    Deswegen gibt es derartige Bücher, die uns daran erinnern, dass wir Spielwiesen schaffen müssen, kreativ sein und Emphatie nutzen können:-).
    Ich gestehe, die Emphatie schwindet bei mir, wenn ich Kolonnen gleichgetünten Menschen sehe.:-).

    Grüße
    Anna

  2. [...] Buchbesprechung von “Sie bewegt sich doch!” auf marketingguerilla-net [...]


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Der Beitrag wurde am 21. Juni 2008 um 18:53 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Literaturtipp gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.