Inflationsangst und Ölpreis sind Konsumkiller
von Ralf Kosub“Preissteigerungen fressen Einkommenssteigerungen wieder auf”
Rekordpreise an den Tankstellen und Inflationsängste trüben die Kauflaune der deutschen Verbraucher massiv ein. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung der Konsumenten mussten drastische Einbußen hinnehmen. Folglich ging das von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte Barometer für das Konsumklima im Mai auf 4,9 Punkte von den revidierten 5,6 Zählern zurück. Obwohl Insider nur mit einem leichten Rückgang gerechnet hatten, scheinen sich die Ängste vor drohenden Preiserhöhungen nun in einer sinkenden Kaufkraft widerzuspiegeln. Zudem schüren die Sorgen um die Preisstabilität, die Finanzmarktkrise und die schwächelnde US-Wirtschaft die Konjunkturängste der Bundesbürger. Dies bewirke, dass selbst positive Faktoren wie der Rückgang der Arbeitslosigkeit inzwischen eingetrübt sind, so die Forscher.
“Trotz des hohen Ölpreises und der Finanzkrise ist die Inflation das aktuelle Hauptthema bei den Verbrauchern”, sagt Andreas Jörg Scheuerle, Leiter Sachgebiet Europäische Konjunktur und Branchenanalysen bei der DekaBank. Laut dem Fachmann sind die deutschen Arbeitnehmer einkommensbezogen nach wie vor “recht gut aufgestellt”. “Vor allem die in mehreren Branchen ausgehandelten Tarifabschlüsse bringen für die meisten deutlich mehr am Monatsende. Das Problem ist aber, dass die Inflation diese Einkommenssteigerungen wieder auffrisst”, unterstreicht der Experte weiter. So seien die Haushalte trotz des robusten Arbeitsmarkts mittlerweile eher ein wenig zurückhaltender geworden und wägen Neuanschaffungen nunmehr stärker ab.
Mit diesem enttäuschenden Ausblick auf das Gesamtjahr sind die Verbraucher in Deutschland deutlich skeptischer eingestellt als die Manager in den Chefetagen. Dort hellte sich das Klima im Mai überraschend auf, wobei die Firmen laut den Zahlen des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung auch im Konsum einen größeren Anstieg erwarteten. So konnten auch die deutlichen Zugewinne der Konjunkturerwartung im vergangenen Monat nicht bestätigt werden. Wie die GfK berichtet, verlor der Indikator knapp zehn Zähler und liegt aktuell bei 13,4 Punkten. Die Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Bürger damit rechnen, dass sich die im ersten Quartal dieses Jahres herausragende Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts nicht fortsetzen kann und sich die Konjunktur schon bald abkühlt.
Neben dem starken Euro sowie den hohen Inflationsraten wird der Eindruck einer sich abkühlenden Konjunktur verstärkt. Aber auch die hohen Energiekosten trüben die Kauflaune. Demnach sackte der Indikator für die Einkommenserwartungen nach drei Monaten mit Zuwächsen um 14,8 Zähler ab und liegt nun 4,3 Punkte im Minus. “Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in den ersten drei Monaten um 1,5 Prozent ist positiv, jedoch nicht nachhaltig, sondern vielmehr auf Sonderfaktoren und Einmaleffekte zurückzuführen”, erläutert Scheuerle. Im Sog der für den Mai sinkenden Einkommens- und Konjunkturaussichten musste auch die Anschaffungsneigung deutliche Einbußen hinnehmen. Der Indikator verlor 15,7 Zähler und weist nun minus 20,4 Punkte auf. Erst wenn die Haushalte davon ausgehen können, dass die realen Einkommen 2008 ansteigen und die Inflationsängste weichen, wird auch wieder eine steigende Kaufbereitschaft festzustellen sein, so Scheuerle abschließend.
Weitere Informationen unter:
http://www.gfk.de
http://www.dekabank.de
http://www.ifo.de
Quelle: 27.05.2008











