Billig-Autos überschwemmen den Markt

von Ralf Kosub

Tata Nano - PKW aus IndienProduktionsanstieg von über 70 Prozent krempelt gesamte Branche um

Auf die Autobranche kommen in den nächsten zehn Jahren angesichts einer bevorstehenden Wachstumsexplosion im Bereich Billig-Autos signifikante Veränderungen zu. Das Segment Low Cost wird bis 2017 einen Produktionsanstieg von 74 Prozent erleben. Die Marke von 15 Mio. produzierten Einheiten wird schon 2015 überschritten, wie das Essener Marktforschungsunternehmen R. L. Polk aufzeigt. Demgegenüber soll die herkömmliche Auto-Herstellung mit einem Wachstum von nur 30 Prozent im gleichen Zeitraum deutlich hinterher hinken. Der Anstoß zu dem Boom wurde vom indischen Autobauer Tata Motors mit seinem Billig-Auto Nano gegeben. Die Konkurrenz ließ jedoch nicht lange auf sich warten. So kündigte Renault in Zusammenarbeit mit Nissan und dem indischen Hersteller Bajaj Motors Anfang Mai einen vergleichbaren Wagen unter dem Codenamen ULC zu einem Preis von rund 1.600 Euro an.

Das Joint-Venture-Werk im indischen Chakan wird jährlich 400.000 Fahrzeuge produzieren, die zunächst ausschließlich für Indien, später auch für weitere Schwellenländer bestimmt sind. Im Gegensatz zu Renault schließt Tata Europa als mögliche Absatzregion für den Nano jedoch nicht völlig aus. Höhere Sicherheits- und Umweltauflagen würden eine Markteinführung in Europa verhindern, heißt es hingegen von Renault. Generell gilt derzeit Asien als Top-Zielmarkt für Billig-Autos. Dies liegt nicht zuletzt an der geringen Verbreitung des Automobils als Verkehrsmittel. Besonders in Indien dominieren derzeit noch Motorräder die Verkehrslandschaft unter nicht öffentlichen, motorisierten Fahrzeugen. Hier versprechen sich die Hersteller eine Vielzahl kaufkräftiger Abnehmer.

Während der Produktionsanstieg im Vorjahr neun Prozent auf weltweit 9,4 Mio. Einheiten betrug, ist besonders in den kommenden drei Jahren mit einem enormen Wachstumsschub bei Autos unter 10.000 Euro zu rechnen. In dieser Preisklasse werden auch Volkswagen mit dem “VW UP!” oder Toyota mit einer neuen Stufenhecklimousine unter dem Codenamen EFC mitspielen. 2011 werden weltweit bereits 14 Mio. Billig-Autos hergestellt. Der Asien-Boom führe dazu, dass sich allein das dortige Produktionsvolumen auf mehr als neun Mio. Einheiten verdoppeln wird, was deutlich mehr als die Hälfte der weltweit produzierten Billig-Autos ausmacht. Darüber hinaus tragen besonders Lateinamerika und Russland zum rasanten Wachstum bei Autos der untersten Preisklasse bei. Ob die Hersteller mit ihrer Billig-Strategie richtig liegen, ist derzeit allerdings noch nicht absehbar. Besonders höhere Kundenansprüche und die steigende Kaufkraft der asiatischen Konsumenten könnten dazu führen, dass die hohen Erwartungen an den Markt nicht erfüllt werden.

Weitere Informationen unter:
http://eu.polk.com
http://www.renault.de

Quelle: pte, 22.05.2008

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Ein Kommentar

  1. Die Einkommen der Otto-Normal-Verdiener stagnieren. Gleichzeitig steigen die Spritpreise. Zudem werden die Fahrer älterer Autos mit einer sogenannten Stinker-Abgabe geschröpft. Dadurch steigt bei den Autofahrern der Bedarf nach preiswerten, sparsamen und schadstoffarmen Autos. Auch die europäischen Autohersteller werden sich bald an dieser Entwicklung orientieren oder Marktanteile verlieren.

    am 01. 06. 2008 um 11:47 Uhr von Winfried Braun

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Der Beitrag wurde am 31. Mai 2008 um 15:40 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Märkte & Branchen gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.