Hospitality: Kundenpflege in der Grauzone
von Katharina NiehusKurz vor der Fußball-EM bewegt die Sponsoren die Frage: Darf ich meine besten Kunden zu den Spielen einladen oder handle ich mir damit Probleme ein? Angesichts der rechtlichen Unsicherheiten beim Thema Hospitality fordern sie klare Regelungen.
“Joggeli” nennen die Baseler liebevoll ihr Fußballstadion. Im Joggeli kickt normalerweise der FC Basel gegen den FC Zürich oder den FC Aarau, und nur selten ist die Atmosphäre aufgeladen. Am 7. Juni aber wird im “Stadion im St.-Jakob-Park” – wie es korrekt heißt – die Hölle los sein. Dann wird hier zur Fußball-EM angepfiffen, mit der Partie Schweiz gegen Tschechien.
Eintrittskarten für den normalen Fußball-Fan gibt es für die Spiele der Euro 2008 schon seit Monaten nicht mehr. Auch die rund 80.000 exklusiven, sündteuren VIP-Tickets sind bis auf wenige Dutzend schon weg, vermeldet die für die Vermarktung zuständige Agentur IMG. “Es sind praktisch alle ausverkauft”, freut sich Martin Kallen, Geschäftsführer der Euro 2008 S.A. Gesamteinnahmen: stolze 115 Millionen Euro.
Zu haben sind allerdings noch Hospitality-Pakete für Spitzenspiele, Viertel- und Halbfinalpartien sowie das Endspiel am 29. Juni in Wien. Kostenpunkt pro Person beim Finale: 8.000 Euro. Dafür gibt es aber auch – wie es im offiziellen Prospekt vermerkt ist – einen Sitzplatz der besten Kategorie, Gourmet-Entertainment und ein exklusives Souvenir. Damit die UEFA-Euro 2008 für ihre Gäste “unvergesslich” bleibe, wie die Organisatoren versichern.
Dass jene Abende im Spannungsfeld zwischen feinen Spezialitäten und groben Fouls aus ganz anderen Gründen unvergesslich bleiben, fürchten derzeit allerdings zahlreiche Manager deutscher Unternehmen. Spätestens seit der “Ticket-Affäre” des früheren EnBW-Chefs Utz Claassen herrscht Unsicherheit bei der Frage, ob und wen seiner Geschäftsfreunde man zu solch hochkarätigen Events einladen darf, ohne juristisch belangt zu werden. Claassen hatte mit seiner Weihnachtspost im Jahr 2005 Gutscheine für Karten der Fußball-WM an Politiker verschickt und war daraufhin verklagt worden. Kürzlich wurde er zwar von Korruptionsvorwürfen freigesprochen, doch ausgestanden ist die Angelegenheit noch nicht. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat gegen den Freispruch Revision eingelegt.
Dieses juristische Hickhack trifft den Lebensnerv einer ganzen Branche. Sponsoren investieren ihre Millionen in Fußballvereine, Segelmannschaften und Formel-1-Teams nicht nur, um mit ihren Logos auf Hemden und Helmen weithin wahrgenommen zu werden. Sie wollen vor allem wichtige Geschäftspartner zu Spielen und Rennen einladen können. Sie wollen, wie Lufthansa-Sprecherin Amélie Lorenz sagt, “persönliche Kontakte knüpfen oder intensivieren”. Doch genau diese Art der Beziehungspflege steht nun auf dem Prüfstand. Einladende und Gäste haben das Gefühl, sich in einer rechtlichen Grauzone zu bewegen.
Diese Grauzone verläuft zwischen Strafrecht und Steuerrecht. Einladungen kann man nur dann steuerlich absetzen, wenn damit ein Geschäftszweck verbunden ist. Ist aber mit einer Einladung ein geschäftliches Ziel verbunden, ist der Verdacht der Korruption nicht mehr weit. Warum sonst sollte ein Unternehmen Flug, Hotel und Ticket übernehmen, wenn es sich dadurch nicht irgendwelche Vorteile im Tagesgeschäft erhofft?











