„Zukunft braucht Menschlichkeit“
von Liesel Pusacker
Interview mit Prof. Dr. Karl-J. Kluge, Familie Kluge-Stiftung, in der Universität zu Köln
Professor Dr. Karl-J. Kluge, ordentlicher Professor (em.) und ehemaliges Vorstandsmitglied des Seminars für Beziehungsschwierigenpädagogik der Universität zu Köln, hat gemeinsam mit seiner Ehefrau Eva und den Töchtern Nicola und Annette die „Familie Kluge-Stiftung“ gegründet. Seit zwölf Jahren widmet sich diese gemeinnützige Organisation den Themen der Personalführung und -entwicklung. Dabei will die Stiftung vor allem eines, „dass wir, die Menschen, die Welt ein wenig menschlicher verlassen als wir sie vorgefunden haben.“ Konsequenterweise zeichnet sie daher Personen aus, die sich in besonderem Maße für das „Menschenbild der Humanistischen Psychologie in Organisationen“ einsetzen. Die Familie Kluge-Stiftung ist an der Nahtstelle zwischen Wissenschaft und wirtschaftlicher Praxis tätig.
Im Anschluss zur 5. Vortragsveranstaltung der MarketingGuerilla befragten wir den hochkarätigen Wissenschaftler zum Thema Demographischer Wandel und Marketing.
MarketingGuerilla: Herr Professor Kluge, Sie beschäftigen sich wissenschaftlich und in Ihren Führungskräftetrainings seit langem mit den Themen Potenzialanalyse und Kompetenzentwicklung. Welche Fähigkeiten müssen die Führungskräfte von morgen in die Unternehmen einbringen, wollen sie in einer alternden Gesellschaft – mit älteren Kunden und auch älteren Beschäftigten – erfolgreich sein?
Prof. Dr. Karl-J. Kluge: Heute schon müssen Führungskräfte und Unternehmer ihre eigenen persönlichen und beruflichen Talente und Stärken entwickeln und diese im Dienst einer „Menschlichen Entwicklung“ und Kultur in die Unternehmen einbringen. Wer um die Bedeutung dieser Potenzialfaktoren weiß und auch darin erprobt ist, diese in die Wirtschaftsbereiche einzubringen, der wird sich auch von anderen absetzen.
Zukunftsorientierung bedeutet: Zukunft braucht Menschlichkeit. Daher müssen Marketingexperten vor allem die zukünftig wichtigen Skills trainieren. Dazu gehören analytisches Denken, Kontextsuche, Kommunikationsfähigkeit und Tatkraft genauso wie Wissbegierde, Verbundenheit, emotionale Selbstkontrolle und Resilienz.
MarketingGuerilla: Die Vision Ihrer Familienstiftung lautet: „Wir begeistern Menschen für Werte. It´s up to you!“ Was bedeutet das gerade hinsichtlich des demographischen Wandels in Deutschland?
Prof. Karl-J. Kluge: Das Selbstbewusstsein „im dritten Lebensalter“ wächst bei vielen kontinuierlich. Viele der älteren Generation hören nicht auf zu lernen. Sie können so über sich hinaus wachsen. Vielfach kennen sich die Älteren in vielen Dingen auch besser aus als die „Nestflüchter“. Die „Jungen“ beherrschen die „Oberflächen-Werte“, wie zum Beispiel das Bedienen von technischen Geräten oder die Kenntnis ihres Innenlebens, das Umgehen mit Gebrauchsanweisungen, Reparaturen etc.
Die gereiften und erfahrenen „jungen Älteren“ leben eher in den „Tiefenflächen-Werten“ – das heißt für mich mehr im Bereich der Sinnhaftigkeit des Lebens und des Lernens, im Bereich der Bedeutsamkeit von Beziehungen, von Sekundärtugenden und deren Anwendung.
Während die „Jungen“ enorm schnell und umfassend lernen, tun dies die „jungen Älteren“ in vertiefter Art und Weise, eher transferierfähig, nachhaltig, allerdings etwas zeitaufwendiger.
Wer diese Gegebenheiten genügend beachtet, vermeidet ein Aufeinanderprallen vom „Drängen“ der Jüngeren und der Erfahrung der Älteren. Er erkennt die Voraussetzungen für Synergien und für ein produktives Miteinander.
Die „demographische Zukunft“ bietet den „Jungen“ nur eine wirkliche Chance, wenn die „demographische Gegenwart“ sich ihres Selbstwertes bewusst wird und eine Allianz des Miteinanders eingeht. Die ideale Vorstellung ist, dass der Tatendrang und das kompetente Wissen der Jüngeren sich mit dem Detailwissen und den „durchgegorenen“ Erfahrungen der Älteren vereinen.
MarketingGuerilla: Herr Professor Kluge, vielen Dank für dieses Gespräch.











